Wie lange können wir uns Versicherungen noch leisten, Herr Rollinger?

Shownotes

Die Versicherungsbranche ist ein Lichtblick in der deutschen Wirtschaft: Die Beitragseinnahmen stiegen 2025 über alle Sparten um 6,6 Prozent auf 254 Milliarden Euro – doch R+V-Chef und GDV-Präsident Norbert Rollinger ordnet das nüchtern ein, denn das Wachstum sei vor allem inflationsgetrieben. Im Gespräch mit Alexander Wiedmann vom CEO.Table erklärt Rollinger, warum er eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ablehnt und stattdessen ein Opt-out-Modell favorisiert – und warum noch immer jedes Jahr bis zu 2.000 Gebäude in Hochrisiko-Überschwemmungszonen gebaut werden. Beim Thema Altersvorsorge fordert er gleiche Wettbewerbsbedingungen mit Neobrokern: „Die Regulierung schützt nicht den Kunden, sondern bremst die Innovation." Und auf die Frage, was die Versicherungsbranche eigentlich antreibt, bringt es Rollinger auf eine entwaffnend ehrliche Formel: „Wir leben von Angst und Gier – das sind die beiden Motive."

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00:00:02: Wie schön, dass Sie auch am Samstag wieder dabei sind bei Table Today, ein CEO spezial und zwar ein Lichtblick in diesen ansonsten ja wirtschaftlich gesehen trüben Zeiten.

00:00:14: Es gibt wenige Branchen in Deutschland, die wirklich wachsen derzeit und eine davon ist die Versicherungswirtschaft.

00:00:20: Über alle Spaten hinweg stiegen die Betragseinnahmen im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf sage und schreibe zweihundertfünfzig Milliarden

00:00:28: Euro.

00:00:29: Gute Zahlen, also für Norberte Rolling, Der ist nicht nur Vorstandsvorsitzender der R&V-Versicherungen, sondern auch der Präsident des Gesamtverbandes, der Versicherungen.

00:00:38: Warum steht seine Branche so viel besser da als die deutsche Volkswirtschaft insgesamt?

00:00:43: Und was bedeuten die in extremen Wetterereignisse?

00:00:46: Für die Versicherungswirtschaft ist es eine Chance oder doch mehr ein Risiko.

00:00:52: Alex Wiedmann, unser Kollege vom CEO-Table, hat mit Norbert Rollinger gesprochen.

00:00:56: Herzlich willkommen im Podcast Table Today, Norbert Rollinger.

00:00:59: Guten Morgen, Herr Wiedmann.

00:01:04: Rollinger, Sie haben diese Woche starke Zahlen in der Gesamtversicherungsbranche präsentiert.

00:01:09: Über alle Spaten hinweg stiegen die Beitragseinahmen um sechs Prozent auf zweieinhalbfünfzig Milliarden Euro.

00:01:16: Wächst in Deutschland also nur der Sozialstaat und die Versicherungswirtschaft?

00:01:19: Wir sind erst mal froh, dass wir uns gut abgrenzen können vom Bruttoinlandsprodukt, was ja mehr oder weniger stagniert.

00:01:28: Aber Man muss zugeben, und das habe ich auch in der Pressekonferenz gesagt, das ist natürlich inflationsbedingt, dass unsere Zahlen so nach oben gegangen sind und das wiederum zeigt, dass etwas ungesund ist.

00:01:42: Wir haben eine hohe Inflation in der Kfz-Versicherung, wir haben steigende Aufwendungen in der Wohngebäudeversicherung und wir haben auch in der Gesundheitsversicherung deutliche Steigerungen und das belastet.

00:01:56: Die gesamte Bevölkerung.

00:01:58: Wir legen ja als Versicherer nur die Schäden am Ende des Tages um und es zeigt, dass wir einfach eingestiegenen Schadenaufwand haben.

00:02:05: Also

00:02:05: real haben Versicherte nicht mehr Schutz, sondern die Zahl nur mehr für den Säben, kann man das so sagen?

00:02:10: Man kann sagen, dass leider sich die Schäden so verteuert haben durch eine Inflation der Schadentreiber.

00:02:18: dass dadurch eine Belastung für die Bevölkerung aufgetreten ist.

00:02:21: Und das finden wir auch schlecht.

00:02:23: Wir arbeiten als Versicherungsbranche auch dagegen, indem wir versuchen, auch die Kunden anzuregen, möglichst.

00:02:29: wenig Schadenaufwand zu haben, also wir honorieren auch, wenn einer versucht seine Schäden gering zu halten.

00:02:36: Wir halten das auch in den Versicherungsverträgen fest, dass man auch verpflichtet ist, möglichst die Schäden gering zu halten, aber gegen eine Inflation von Ersatzteilen beim Auto oder von Stunden in der Werkstatt, die bis zu dreihundert Euro jetzt inzwischen kosten.

00:02:51: Also man kann jungen Leuten nur empfehlen, geht ins Handwerk.

00:02:55: Geht in solche Berufe hinein, da ist goldener Boden im Moment.

00:02:59: Aber kann man nicht vielleicht ein bisschen sagen, in einer Welt voller Unsicherheit, Krisen, Krieg, Klimaschäden, ist ein steigender Bedarf auch an Versicherung da und dadurch lassen sich höhere Prämien verlangen?

00:03:10: Diese Schlussfolge ist nicht richtig.

00:03:12: Klar, als Versicherer sind wir dafür da, Risiken vom Menschen wegzunehmen und das tun wir auch.

00:03:20: Ohne uns wäre ja gar keine Wirtschaft möglich, weil wir Risiken übernehmen, die nur eine große Gemeinschaft der Versicherten übernehmen kann.

00:03:30: Damit sichern wir Existenzen, damit sichern wir wirtschaftliche Tätigkeit.

00:03:34: Das ist eine unserer Grundvoraussetzungen.

00:03:36: und es ist richtig, je mehr der Mensch Angst hat, umso eher ist er geneigt, auch Versicherungen zu kaufen.

00:03:44: Wo endet Vorsorge und wo beginnt das Geschäft mit der Angst?

00:03:48: Wir leben von Angst und Gier.

00:03:51: Das sind die beiden Motive.

00:03:53: Aber diese Angst, die Menschen haben, die ist ja real.

00:03:57: Ich meine, ein Haus kann abbrennen.

00:03:59: Jemand kann krank werden.

00:04:00: Das sind existenzielle Risiken.

00:04:03: Und Menschen haben... schon immer zu allen Zeiten Angst vor diesen Risiken.

00:04:07: Und es ist ein Zeichen der Zivilisation, dass im Gegensatz zu vor zweitausend Jahren heute mit modernen Methoden der Versicherungswirtschaft diese Risiken auf die Gemeinschaft verteilt werden kann.

00:04:20: Lassen Sie uns konkret werden und über einzelne Versicherungen von realen Ereignissen sprechen.

00:04:25: Wie gehen denn Versicherter mit Extremwetter um?

00:04:27: Wie kalkuliert ein Versicherer ein Risiko, das nicht immer vorhersehbar ist?

00:04:32: Ja, Extremwetter.

00:04:34: sind eine Tendenz im Zuge auch des Klimawandels, die sich verstärken.

00:04:38: Das ist etwas, was wir beobachten.

00:04:41: Wir hatten im vergangenen Jahr extremes Glück gehabt.

00:04:44: twenty-fünfundzwanzig war erstaunlicherweise ein sehr schadenarmes Jahr an Natur gefahren.

00:04:52: In der Tendenz über mehrere Jahre sehen wir allerdings einen Anstieg und der hängt auch mit gestiegenen Temperaturen zusammen.

00:05:00: Und von daher legen wir in dem Fall nicht nur um, was in der Vergangenheit an Schäden zu beobachten ist, sondern wir müssen auch antizipieren.

00:05:08: Und das sehen wir auch in unserem Haus, dass wir die Schadenrückstellungen für Elementarschäden ständig erhöhen müssen.

00:05:15: Und wie gehen Sie damit um?

00:05:16: Sie lehnen eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ab.

00:05:19: Warum?

00:05:20: Wir lehnen diese Pflichtversicherung ab, weil erstens wir keine Kasko-Versicherung für alle verpflichtend haben wollen.

00:05:28: Wenn sie ein Auto fahren, da müssen sie eine Haftpflichtversicherung abschließen.

00:05:32: Das liegt aber daran, weil der Drittschutz im Vordergrund steht.

00:05:36: Weil es kann ja nicht ihr Geschädigter erwarten, dass sie millionär sind und ihn bis zum Lebensende einen behindertengerechten Umbau seines Hauses und so weiter bezahlen können.

00:05:47: Also deswegen gibt es Pflichtversicherung, die gibt es.

00:05:50: Bei der Jagd, die gibt es bei den Hebammen, die gibt es bei den Ärzten, überall dort, wo eine Gefahr geneigte Tätigkeit ist oder Verhalten ist und wo andere Dritte geschädigt werden können.

00:06:02: Hier geht es um ihr eigenes Eigentum, nämlich ihr Haus.

00:06:06: Und sie sollten sich selbstverständlich dagegen versichern, aber es sollte nicht bevormundend vom Staat gemacht werden.

00:06:13: Das ist der eine Punkt, der zweite Punkt ist, dass eine Pflichtversicherung auch mit verfassungsrechtlichen Bedenken einhergeht.

00:06:21: Wir empfehlen der Bundesregierung, dass sie das eher auf eine Opt-Out-Basis macht.

00:06:27: Das heißt, der Kunde kann es auch ablehnen.

00:06:30: Dann sind wir aus dieser ganzen Pflichtdiskussion heraus und wir werden trotzdem sehr hohe Durchdringungen erreichen können.

00:06:38: Heute im Neugeschäft der Wohngebäudeversicherung machen wir schon rund achtzig Prozent.

00:06:44: der Kunden schließen diese Versicherung ab.

00:06:47: Das heißt, wir kriegen eine deutlich höhere Durchdringung schon jetzt hin.

00:06:51: Ja, aber gibt es vielleicht nicht in Deutschland, aber in der Welt auch Regionen, die sich überhaupt nicht absichern lassen aufgrund von besonderen Gefahren, von Überschwemmungen, Waldbränden oder so, sehen Sie sowas?

00:07:04: Wir sehen das in einigen Regionen der Welt, zum Beispiel in Kalifornien oder auch in Florida, dass wir dort solche nicht mehr versicherbaren Gebiete haben, wo private Versicherungen das Risiko nicht mehr übernehmen wollen oder zu sehr hohen Preisen.

00:07:22: Solch eine Situation haben wir in Deutschland bisher nicht, aber wir haben auch vierhunderttausend Gebäude, die in einer Hochrisikozone stehen, also Zone vier nennen wir das, wo etwa alle zehn Jahre durchaus etwas passiert.

00:07:37: Und auch dort sehen wir schon, dass Dort Versicherungsschutz teuer ist, dass wir auch teilweise mit Selbstbehalten dort arbeiten müssen, um es versicherbar zu halten.

00:07:48: Und im Konzept, was jetzt ansteht, im Rahmen Diskussion, Pflichtversicherung elementar, ist ja auch, dass wir gerade für diese sehr exponierten Risiken eine Solidarlösung über ein neues Vehikel die Elementary auch etablieren wollen.

00:08:04: Also,

00:08:04: vierhunderttausend Wohnungen in Deutschland habe ich jetzt gelernt.

00:08:06: Ja.

00:08:08: Glauben Sie, dass das in den nächsten fünf Jahren stärker steigen wird?

00:08:12: Wir sehen das leider.

00:08:14: die Kommunen und Länder zulassen, dass fifteenhundert bis zweitausend Gebäude jedes Jahr dazukommen.

00:08:23: Und das halten wir für einen ganz großen Irrweg, dass noch heute in ausgewiesenen Überschwemmungszonen Baugenehmigungen aus fiskalischen Gründen erteilt werden.

00:08:35: Das ist keine gute Idee.

00:08:37: Wir bahren deshalb auch darauf, wenn es zu einer Pflichtversicherung oder einer flächendeckenden Elementarversicherung kommt, dass wir einen Stichtag haben und dass nach diesem Stichtag keine Versicherung mehr für neue Gebäude kommt, die in solchen hoch exponierten Zonen gebaut werden.

00:08:56: Das muss jeder wissen, dass er dann in einer Zone baut und damit hoffen wir auch zu disziplinieren, dass hier keine Baugenehmigungen in hoch exponierten Zonen erteilt werden.

00:09:05: Aber

00:09:05: können Sie ein bisschen was sagen, wo sind diese hoch exponierten Zonen denn?

00:09:09: Vor allen Dingen entlang der Flüsse, Flüsse und Bäche, die über die Ufer treten können.

00:09:15: Wir haben das ja an der A gesehen, wie schnell auch enge Täler dann erhebliche Stände haben können, aber wir kennen es auch von der Mosel.

00:09:24: Die Mosel ist auch ein Fluss, der regelmäßig über die Ufer tritt.

00:09:28: Zum Glück haben die Menschen dort an der Mosel ja auch schon über die Erfahrung der letzten hunderte von Jahren ihre Häuser so gestaltet, dass sie Haustüren aushängen können, dass sie Heizung unter dem Dach ist und dass der Eingangsflur ob man es jetzt schön findet oder nicht, gekachelt ist, so dass das Wasser nachher einfach abfließt, man mit dem Schlauch durchgeht und dann ist wieder alles in Ordnung.

00:09:54: Das Thema Extremwetter und Versicherung haben wir jetzt, glaube ich, ausführlich behandelt, ein anderes Thema, aber sie machen ja nicht nur... Extremwetterversicherung, sondern ein anderes großes Thema sind Lebensversicherung und Altersvorsorge.

00:10:05: Es gibt in Deutschland immer noch Achtzig Millionen Lebensversicherungen nach Verträgen gerechnet.

00:10:10: Aber jetzt mal ehrlich, wenn ich einen günstigen ETF-Sparplan habe, schlägt er doch langfristig jede Lebensversicherung, oder?

00:10:16: Eine Lebensversicherung ist ja nicht auch nur eine Kapitalanlage.

00:10:19: Eine Lebensversicherung hat auch einen Risikoschutz.

00:10:22: Das heißt, wenn Sie nach zwei Jahren versterben, was wir natürlich nicht wollen, dann kriegen Ihre Erben immerhin die Todesverleistung ausgezahlt.

00:10:31: Und das ist eine Rendite, die sage ich Ihnen, das sind Tausende von Prozent.

00:10:35: Denn Sie haben dann vielleicht ein paar Hundert Euro eingezahlt, aber Ihre Erben bekommen fünfzig oder hunderttausend Euro Todesverleistung.

00:10:42: Also wenn man das einfach auf die Rendite reduziert, dann ist das einfach ein Vergleich, der nicht in Ordnung ist.

00:10:48: Das wollen wir jetzt aber ja nicht hoffen, wenn Sie jetzt ein Fünfundzwanzigjähriger heute fragt, ETF-Sparplan oder Lebensfall gibt es Sicherung.

00:10:55: Was antworten Sie?

00:10:56: Ganz ohne Verkaufsbrille.

00:10:57: Warum denn nicht beides?

00:10:59: Beides

00:11:00: ist im Sinne eines Portfolios eine gute Sache.

00:11:03: Ein ETF-Sparplan ist sicherlich eine sinnvolle Sache, weil er gute Renditen zeigt, aber auch nur, wenn man es geschickt macht und auch dort breit streut, also nicht einfach nur ein MSCI-World-Kauf mit seventy Prozent Amerika, sondern wenn man da auch ein bisschen sich anschaut, was man dort macht.

00:11:21: Und eine Lebensversicherung ist die sichere Bank.

00:11:24: Sie bietet einen Todesfall, auch einen Schutz seiner Liebsten.

00:11:28: Und sie bietet die Möglichkeit auch einer lebenslangen Rente, denn ein ETF-Plan, den muss man dann auch erstmal in eine Verrentung bringen oder in einen Auszahlplan, wer Komfort haben möchte.

00:11:42: Der nimmt dann eine Lebensversicherung und kann dann eigentlich sehr, sehr ruhig schlafen und hat keine Schwankungen an den Kapitalmärkten.

00:11:49: Aber ist es denn nicht so, wenn ich eine Lebensversicherung abschließe, dass die meisten Leute dann auch sagen, okay, wenn ich jetzt in Rente bin, dass ich dann meinen Betrag auszahlen lasse, anstatt die lebenslange Rente zu nehmen?

00:12:00: Wir haben beides.

00:12:02: Wir bieten an auszuzahlen, aber wir haben vor allen Dingen die lebenslange Rente.

00:12:08: Die durchaus auch gerade, wenn die Lebensversicherung etwas größer ist, genommen wird.

00:12:14: Es ist richtig, wir haben auch teilweise kleinere Lebensversicherung, wo sich dann einfach eine Verrentung dann nicht lohnt, weil der Betrag vielleicht nur zwanzig oder fünfzig Euro im Monat ist.

00:12:25: Aber eine richtige Lebensversicherung, die also wirklich über Jahrzehnte angespart ist, das ist schon eine sinnvolle Ergänzung.

00:12:32: Auch geförderte Produkte wie die Riesler Rente.

00:12:35: sind ja ausgerichtet auf lebenslanger Renten und ergänzen damit die lebenslanger Rente der ersten Säule der staatlichen Versicherung.

00:12:44: Ja, aber was man ja schon sieht, ist, dass in absoluten Zahlen die Anzahl von Lebensversicherung geht zurück und das Wachstum kommt nur noch aus einmalbeträgen von Investoren, oder?

00:12:54: Reicht das aus?

00:12:55: So kann man das nicht sagen.

00:12:57: Erst mal muss man zur Kenntnis nehmen, dass zum Beispiel meine Generation doppelt so groß war wie ihre generation.

00:13:04: das heißt wir haben einfach auch ein demografisches thema.

00:13:07: ja sie müssten jetzt anfangen zu sparen.

00:13:10: bei mir ist es zu spät.

00:13:11: ja also insofern ich kann ihn aber versichern ich habe mehrere lebensversicherungen und sehe daher dem lebensabend gelassen entgegen.

00:13:22: aber Wir müssen einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass wir einfach massive Veränderungen haben.

00:13:27: Wir sind in einer alternden Gesellschaft und diese alternde Gesellschaft kauft einfach nicht so viel Lebensversicherung mehr.

00:13:33: Meine Generation finanziert ihre Generation, wogegen meine Generation wahrscheinlich am Ende, also ich glaube nicht dran, eine staatliche Rente also in die Röhre schaut.

00:13:43: Also dieses Beitragsmodell funktioniert ja heute nicht mehr.

00:13:45: Ja, aber ich würde jetzt nicht so weinerlich sein an Ihrer Stelle, denn... Ich darf Ihnen verraten, dass meine Generation auch die Vorgänger-Generation meiner Eltern finanziert hat.

00:13:57: Das ist nun mal das Merkmal einer Umlageversicherung, wie sie die staatliche Rentenversicherung ist, wie sie Konrad Adenauer, der gerade seinen hundertfünfzigsten Geburtstag gefeiert hat und nicht mehr persönlich, aber viele haben ihn gefeiert, der das neunzelt siebenfünfzig eingeführt hat, weil man einfach gar nicht daran gedacht hat, dass so etwas passieren kann, dass die Kinderzahl eben auf so niedrige Stände, wie jetzt, auf eins, drei runtergegangen ist und damit so ein Umlagesystem erheblich unter Druck kommt.

00:14:26: Der GTV-Wahn vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Banken und Neobruckern haben versichere Angst vor einer echten Konkurrenz durch einfache günstige ETF-Produkte, weil ich schaue auch nicht so weinerlich in die Zukunft, weil mein ETF-Portfolio schon mal in Sparplan läuft, ganz gut.

00:14:41: Ja, und wir würden da gerne auch wettbewerbsfähig Angebote anbieten.

00:14:45: Deshalb haben wir heute auch darauf gedrungen, dass wir gesagt haben, wir wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen haben.

00:14:51: Wir können auch Produkte anbieten, die hier wettbewerbsfähig sind, zu Neobrokern und zu... von Gesellschaften.

00:15:01: Und das haben wir vor.

00:15:02: Leider, Artikel sechs vom VAG steht dem entgegen.

00:15:06: Wir sind verpflichtet zur Beratung.

00:15:09: Und das ist natürlich bei den Kosten, die ein ETF hat.

00:15:12: Da kriegen sie ja auch keine Beratung.

00:15:14: Die müssen sich selbst kaufen.

00:15:15: beim Neobroker und selbst wenn sie zu einer Bank mit Service gehen, sagt ihnen die Bank, müssen sie selbst machen, bieten wir ihnen keinen Service.

00:15:22: Da wollen wir nur gleiche Wettbewerbsbedingungen, dass wir auch digital standardisierte geförderte Produkte genauso wie Neobroker verkaufen können und dann kann der Kunde entscheiden, ob das wettbewerbsfähig ist oder nicht.

00:15:34: Okay,

00:15:35: das leuchtet mir ein hier.

00:15:36: Würden Sie sagen, die Regulierung schützt nicht den Kunden, sondern bremst eher die Innovation?

00:15:40: Genauso ist es.

00:15:42: Wäre das das drängeste Problem für Sie, was die Bundesregierung angehen sollte oder gäbe es ein anderes Thema, was Sie sagen würden?

00:15:47: Das würde ich mir von denen wünschen.

00:15:49: Also das wäre schon mal wichtig, um Ihren gleiches Level-Playing-Field zu haben.

00:15:54: Wir sagen, Das uns wichtig ist, dass wir als Versicherer auch mitmachen können bei geförderter Altersversorgung, privater geförderter Altersversorgung, bei der Frühstartrente, was uns aber besonders wichtig ist und das wird jetzt hoffentlich auch die neue Rentenkommission, die aufgesetzt ist.

00:16:15: machen, nämlich eine Stärkung auch der betrieblichen Altersversorgung.

00:16:20: Wir sehen da riesige Potenziale, auch durch ein Opt-Out-Verfahren hier viel mehr Beschäftigte in eine betriebliche Altersversorgung hineinzubringen mit einer Enthaftung der Arbeitgeber, sodass auch die Arbeitgeberspaß daran haben, möglicherweise mit einem Investment gesparter Sozialversicherungsbeiträge.

00:16:41: Die steigen ja bei uns ins Unermessliche.

00:16:43: Wir liegen ja schon bei über vierzig Prozent.

00:16:45: Wir gehen in Richtung fünfzig.

00:16:46: Also das lohnt sich richtig, da auch etwas zu machen.

00:16:51: Und die Arbeitgeber, wir haben dort.

00:16:54: Sozialpartnermodelle, die wir zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften dann zusammen betreiben.

00:17:00: Ich nenne mal als Beispiel das Sozialpartnermodell der Chemieindustrie.

00:17:05: Das läuft sehr einvernehmlich, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen entscheiden, wie das Geld angelegt wird.

00:17:12: Das ist sehr professionell und wir hoffen, dass da ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Altersversorgung passieren wird.

00:17:20: Und wir werden sehen, dass wir beim Richtung Rendite, Enthaftung und auch Portabilität, das also Mitarbeiter, die auch mal wechseln ihren Arbeitgeber, das sie das Ganze auch mitnehmen können.

00:17:30: Wie bewerten Sie dann die Frühstattrente?

00:17:32: Die Frühstattrente soll in ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot fließen, da werden Versicherungen wohl eher keine Rolle spielen, oder?

00:17:39: Das ist ein Druckschluss.

00:17:41: Wir sind ausdrücklich mit dabei und selbstverständlich ist eine Versicherung auch per Definition ein Altersvorsorgedepot.

00:17:49: Lassen Sie uns noch über Ihre Branche im Allgemeinen sprechen.

00:17:52: Sie sind ja auch der Verbandspräsident.

00:17:53: Deswegen sei eine Frage erlaubt.

00:17:55: Es gibt in Deutschland noch immer ca.

00:17:56: fünfhundert Versicherungsunternehmen.

00:17:58: Ist der Markt nicht zu sehr zersplittert und damit ineffizient für Kunden?

00:18:02: Wir sehen, dass die Zahl der Versicherer abnimmt.

00:18:04: Wir haben gerade im Verband festgestellt, dass wir acht Mitglieder verloren haben.

00:18:08: Also es setzt eine gewisse Konsolidierung im Verband auch ein.

00:18:13: Und ja, all die Tendenzen, die wir sehen, in technologischer Hinsicht.

00:18:19: dass dort größere Einheiten sozusagen eine bessere Positionierung haben.

00:18:26: Und das kann schon sein, dass wir hier in den nächsten Jahren sehen werden, dass eine Konsolidierung, so wie im Marklerbereich, Versicherungsmarklerbereich, auch bei den Versicherern stattfindet oder einfach auch Austritte aus dem Markt.

00:18:39: Und

00:18:39: diese Konsolidierung halten Sie auch für richtig?

00:18:42: Ich will die nicht bewerten.

00:18:44: Wir versuchen als R und V, dass wir auf jeden Fall zu denen gehören, die weiter erfolgreich wachsen können.

00:18:50: Und können Sie dazu schon was sagen?

00:18:52: Was geben die neuen Zahlen für einen Ausblick?

00:18:55: Wir sind stärker gewachsen als der Markt und deshalb freuen wir uns.

00:18:59: Sehr

00:18:59: gut.

00:19:00: Letzte Frage ganz direkt.

00:19:01: Was ist für Versicherer das größere Risiko?

00:19:03: Eine Welt ohne Versicherung oder Versicherung ohne Vertrauen?

00:19:07: Versicherung ohne Vertrauen wäre ganz schlecht.

00:19:10: Wir stehen für Zuverlässigkeit, Solidität und deshalb wird es keine Welt ohne Versicherung

00:19:17: geben.

00:19:18: Herr Rollinger, vielen Dank fürs Gespräch.

00:19:19: Sehr gerne.

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