Hat Deutschland ein Glaubwürdigkeitsproblem? Mit Annalena Baerbock
Shownotes
Annalena Baerbock, ehemalige Außenministerin und seit einem Jahr Präsidentin der UN-Generalversammlung, blickt nach zwölf Monaten New York positiver auf die Welt. Eine Handvoll „lauter Staaten“ setze das Recht des Stärkeren durch, die große Mehrheit halte dagegen: „Wir werden nicht zu unserem eigenen Untergang schweigen." [11:41]
Gerald Knaus, Gründungsvorsitzender der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative, sieht im Andrang Zehntausender auf die spanische Enklave Ceuta ein Alarmsignal für die EU. Nicht die spanische Migrationspolitik stehe dahinter: „Der Schlüssel lag in Marokko." Ohne Abkommen mit sicheren Drittstaaten werde sich der Ceuta-Schock im nächsten Jahr anderswo wiederholen, sagt Knaus. [01:42]
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00:00:05: Michael und Helene sind im Wohlverdienten-Urlaub, das die zwei wieder da sind.
00:00:09: Übernehmen wir erst mal den Podcast?
00:00:12: Ich bin Stefan Braum...
00:00:13: ...und ich
00:00:14: bin Nina Nicherklotz!
00:00:14: Einen schönen guten Morgen!
00:00:16: Chaos in der spanischen Enclare Ciuta – Die Bilder, die uns von dort erreicht haben, sind dramatisch.
00:00:22: Bis zu sechzigtausend Migranten sind in das kleine Earthjam gekommen.
00:00:27: Das erinnert sehr an die Flüchtlingskrise zweitausendfünfzehn, wo wir solche Bilder an vielen Stellen des Mittelmeers gesehen haben.
00:00:35: Inzwischen hat sich die Lage beruhigt.
00:00:37: ein Großteil der Menschen ist zurück nach Marokko gegangen.
00:00:39: trotzdem stellt sich die Frage was war da los und Was hat das in der EU ausgelöst?
00:00:45: Das besprechen wir mit dem Migrationsforscher Gerhard Knauss erst Vorsitzender der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative.
00:00:54: Glaubwürdigkeit in der Politik ist das große Thema der letzten Tage.
00:00:58: Da wurde viel über die Glaub- würdigkeit von Jens Spahn diskutiert und auch immer wieder über die von Friedrich Merz, aber wie sieht es eigentlich eine Etage darüber aus?
00:01:06: Wie glaubwürdig ist Deutschland in der internationalen Politik?
00:01:10: Das hat mein Kollege Stefan mit Annalena Baerbockt, der ehemaligen Außenministerin und aktuellen Präsidentin der UN Generalversammlung diskutiert.
00:01:18: Und dann noch eine gute Nachricht!
00:01:20: Zahnärzte könnten ihren Schrecken verlieren, denn in den USA wird eine neue Behandlungsmethode für Karies getestet.
00:01:28: Mehr dazu am Schluss an diesem Montag, den dritten August – schön dass Sie mit dabei sind!
00:01:38: In der spanischen Enklave Ceuta auf der einen Seite das Mittelmeer und an die Landgrenzen umgeben von Marokko leben normalerweise gut achtzig tausend Menschen.
00:01:48: In den letzten Tagen hat sich diese Zahl fast verdoppelt weil Menschen aus afrikanischen Ländern so auf europäischen Boden gelangen wollten und deshalb nach Ciuta kamen.
00:01:59: Und viele der Flüchtlinge haben das über den Wasserweg getan,
00:02:01: d.h.,
00:02:02: diese Menschen sind sechs Kilometer weit durch das Meer geschwommen.
00:02:07: Insgesamt sollen bei der Flucht mindestens seventy- zwei Menschen ums Leben gekommen sein.
00:02:12: Die Bilder sind tragisch die Ergebnisse im Augenblick auch.
00:02:15: Ausgangspunkte dafür gab es wahrscheinlich zwei.
00:02:18: Da war ein Urteil des obersten spanischen Gerichts.
00:02:22: Die haben entschieden vor einigen Tagen, dass alle die nicht über Zäune oder andere Hindernisse nach Spanien kommen, nicht einfach sofort wieder zurückgeschickt werden durften.
00:02:32: Und dazu kamen sehr wahrscheinlich in den sozialen Netzwerken prompt eine Meldung nach der anderen, das die Grenze offen sei und man ohne Papiere einreisen dürfe nach Spania.
00:02:43: Wer diese Falschmeldung verbreitet hat ist unklar aber die Auswirkungen konnte jetzt jeder sehen!
00:02:49: Unglar ist tatsächlich auch, seit wann es diese Gerüchte gab.
00:02:54: Nach einem Bericht der spanischen Online-Zeitung The Objective hatte der spanische Geheimdienst die Regierung schon Tage vor der Eskalation gewarnt aber die Regierung hat diese Hinweise ignoriert wie es aus den Quellen von militärisch und zivilen Geheimnendiensten heißt.
00:03:09: Aber man kann sich natürlich schon fragen wenn siebzig tausend Menschen gleichzeitig beschließen ein so gewaltiges Risiko auf sich zu nehmen Und durch das offene Meer zu schwimmen fragt man sich Gibt es etwas anderes, was diese Entwicklung noch verstärkt hat?
00:03:22: Und tatsächlich ist das womöglich so.
00:03:25: Es gibt nämlich Berichte, dass die marokkanische Grenzpolizei die Menschen ermutigt haben soll, die Grenze zu überqueren.
00:03:31: Die Regierung von Marokko weist das natürlich weit von sich.
00:03:35: Für die Bewohner ZIUTAS waren das chaotische Tage.
00:03:38: Es gab Ausschreitungen, es gab Flünderung durch die Migranten.
00:03:41: Es hat Angst ausgelöst.
00:03:43: Die Bilder waren sehr dominant und sie haben große ... Panik auch hinter EU ausgelöst.
00:03:50: Italien forderte sogar im temporären Auslös-Spanes aus dem Schengenraum, was ein bisschen populistisch klingt – es gibt keine Grenze zwischen Spanien und Italien.
00:03:59: wie soll man das machen?
00:04:01: Viele befürchteten eben eine Flüchtlingswelle wie Zwei Tausend Fünfzehn.
00:04:06: Dazu ist es so sieht's jetzt aus nicht gekommen.
00:04:08: aber welche Folgen hat das was in Ceuta passiert ist?
00:04:11: Das wollen wir von Gerhard Knauss wissen.
00:04:14: er isst Migrationsforscher und Vorsitzender der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative.
00:04:20: Hallo lieber Herr Knaus!
00:04:21: Hallo,
00:04:22: guten Tag!
00:04:23: Herr KNaus wie gefährlich ist das was da in Ceuta passiert ist?
00:04:27: Es ist sehr gefährlich auf drei Ebenen.
00:04:30: erstens weil es zeigt dass mit allen Reformen des EU Asylrechts solche Ereignisse immer noch regelmäßig und wiederholt passieren können also eine große Menge von Menschen, die nach Ceuta, nach Lampedusa über das Meer nach Griechenland in Zypern über die grüne Grenze kommen und die dadurch die gesamte europäische Politik erschüttern.
00:04:53: Also in Nordafrika passiert etwas und in Finnland und Dänemark reagieren Regierungen und Bevölkerung mit Angst.
00:05:00: Das ist das erste.
00:05:01: Es ist gefährlich weil es ein Signal sendet.
00:05:03: Die Europäer wissen nicht wie sie darauf reagieren und sind leicht zu erschrecken und einzuschüchtern.
00:05:09: Das zweite ist die Spannung in der EU.
00:05:11: Das ist dazu führt, dass die Europäer nicht zusammenstehen und eine klare gemeinsame Sicht auf die Dinge haben – auch was zu tun ist.
00:05:17: Sondern das sinnlose Theaterpolitik jetzt.
00:05:20: Italien und Spanien haben gar keine gemeinsame Grenze.
00:05:23: Spania, die nach Italien fahren Schengenkontrollen einzuführen im Schengenaum, das ist einfach nur absurd!
00:05:30: Wirklich absurd.
00:05:31: Und das Dritte, und das ist noch gefährlicher, ist auf der Meta-Ebene Die Art wie wir über so ein wichtiges Thema wie Migration diskutieren.
00:05:40: Es scheint wirklich, als hätten die Eliten in der EU in den letzten fünfzehn Jahren nichts gelernt.
00:05:48: Ich hoffe das ist falsch.
00:05:49: ich hoffe dass dieser Schock vielleicht dazu führt, dass noch was passiert.
00:05:53: Wir brauchen dringend eine Politik die so etwas in der Zukunft verhindert.
00:05:56: Die haben wir doch nicht!
00:05:57: Die könnten wir haben Aber bis jetzt ist das Fazit Das war eine Woche ernüchternd und beunruhigend für Europa.
00:06:06: Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, haben diejenigen die Spanien und Marokko eine Hauptschuld geben für diese Entwicklung?
00:06:14: Haben sie Recht oder sind es reine Populisten.
00:06:16: Ja hier müssen wir unterscheiden.
00:06:18: also ich habe von Anfang an gesagt und nicht weil ich irgendwelche Beweise hatte sondern weil es offensichtlich ist in anderen Fällen der Schlüssel liegt natürlich in Marokka.
00:06:29: wenn auf einmal zehntausenden einen in vierundzwanzig Stunden nach Siuta kommen zum Strand kommen in diese Kleinstarten mit eighty-fünftausend Einwohnern eindringen können.
00:06:40: Und die marokkanische Polizei zusieht, das hat sich über eine Woche aufgebaut und dann ist es explosionsartig gewachsen.
00:06:47: Dann ist die Frage warum?
00:06:49: Wir wüssten untersuchen was da in den sozialen Medien an Desinformation verschickt wurde aber der Schlüssel lag in Marokko und es war auch keine strukturelle Ursache.
00:07:00: Es ging hier nicht um die spanische Migrationspolitik die Programme, die im Januar in Spanien verkündet wurden.
00:07:06: Die, die schon lange in Spania sind eine Aufenthaltsnimmigung zu
00:07:10: geben.".
00:07:11: Das ist etwas was die Spanier in der Vergangenheit schon siebenmal gemacht haben.
00:07:14: Was die Italiener?
00:07:15: in den letzten zwanzig Jahren, haben die Italiener ein Komma sechs Millionen Menschen regularisiert – die meisten unter Silvio Berlusconi!
00:07:22: Das war sicherlich kein Auslöser denn dann hätte das ja im Januar begonnen Aber in den ersten sechs Monaten dieses Jahres war die irreguläre Migration nach Spanien niedriger als im letzten Jahr und niedrige als nach Italien.
00:07:34: Und ist durch diese Ankündigung dieser Legalisierungskampagne nicht nur nicht gewachsen, sie ist gefallen!
00:07:41: Also da gibt es Erklärungen, die so offensichtlich unglaubwürdig sind... Nein das lag nicht an Spanier.
00:07:48: und ja man muss sich die Frage stellen was wollte Marokko hier erreichen?
00:07:53: Aber noch wichtiger, was kann man von Seiten der EU machen um in Zukunft solche Dinge zu verhindern?
00:07:57: Was muss jetzt geschehen.
00:07:58: Es ist genau die Frage und zwar auch welche Bilder braucht es damit den Menschen wissen dieser Weg der ihnen da vielleicht schälschlicherweise auch suggeriert wurde als Weg ist in Wahrheit gar keiner.
00:08:10: Also ich habe gerade gehört bis morgen wird die Zahl vielleicht noch höher sein dass schon angeblich achtzig Menschen ums Leben gekommen sind.
00:08:17: das ist eine tödliche Eine tödliche Politik, eine Tragödie, einen Scheitern.
00:08:23: Und um das zu verhindern wissen wir gibt es nur einen Weg die Europäer müssen in der Lage sein glaubwürdig zu kommunizieren und es danach umzusetzen dass ab einem Stichtag jeder der das versucht Jeder der über den Zaun nach Siotta-Millier klettert der in ein Boot steigt zu dem kanarischen Inseln oder nach Ambedusa oder von Lybia nach Griechenland in Europa ankommt aufgenommen wird gerettet wird, aber dann in einen sicheren Drittstaat gebracht wird.
00:08:53: Also für die Asylverfahren in einem Staat und nicht die irreguläre Migration die Tür nach Europa öffnet.
00:09:00: Das muss ergänzend sein zu der Kooperation mit den Nachbarländern.
00:09:04: also Spanien verlässt sich auf Marokko.
00:09:05: das funktioniert oft Aber es führt nicht dazu dass Nicht-Marokkaner zurückgeschickt werden können.
00:09:11: Und wenn Maroko Druck ausüben will Dann passiert was wir jetzt sehen.
00:09:16: Zusätzlich zur Kooperation mit den Nachbarstaaten brauchen Länder wie Spanien, Italien und Griechenland Abkommen mit sicheren Drittstaaten.
00:09:24: Und das Verrückte ist ja nach zehn Jahren Debatte Ist es dieses Jahr erstmals rechtlich möglich Das zu tun.
00:09:31: dass EU-Recht öffnet die Tür und meine große Hoffnung ist Dass bei den Treffen auch schon diese Woche der Innenminister eine kleine Gruppe von Staaten Mit deutschlander Spitze und anderen Den Vorschlag macht für das Jahr zweisibundzwanzig, mit dem Ziel dann null irreguläre Migration in die EU zu haben
00:09:51: durch
00:09:51: vier fünf sichere Drittstaatsabkommen sofort mit Verhandlungen zu beginnen.
00:09:56: Das brauchen wir!
00:09:57: Dann wäre der Ceuta-Shock heilsam.
00:09:59: Wenn wir das nicht tun, werden wir das was wir in Ceuta erlebt haben anderswo in der EU und vielleicht auch wieder in Spanien aber auch in Italien, auch in Südmann, auch Griechenland im nächsten Jahr wieder erleben Mit dem gleichen Schock Und mit der gleichen Botschaft, die Europäische Union ist schwach geteilt und unfähig auf ein existenzielles Problem konstruktiv und effektiv zu antworten.
00:10:21: Wenn Sie sichere Trittstaaten nennen – Sie haben jetzt gesagt drei, vier, fünf – welche sind da im Blick?
00:10:27: Nur damit wir wissen, worüber wir reden!
00:10:30: Also das Entscheidende ist, dass mit dem ersten sicheren Trittstart bewiesen werden muss, dass es funktioniert.
00:10:36: Attraktiv ist auch für andere.
00:10:38: wir könnten sofort beginnen im zentralen Mittelmeer.
00:10:40: man könnte schon im Herbst sagen ab jetzt jeder der über Lybia nach Griechenland kommt vielleicht auch noch Italien.
00:10:48: die Asylverfahren finden dann in Ruanda statt.
00:10:50: Ruanda ist bereit.
00:10:51: UNHCR könnte eingebunden werden.
00:10:53: Man muss von Anfang an auch mit anderen Staaten reden.
00:10:56: Man will sich auch hier nicht abhängig machen, aber wenn in Rwanda wo der UNHCR bereits heute Asylverfahren macht für Leute die aus Libyen hingebracht werden.
00:11:05: Wo die Infrastruktur bereit ist und wo man gelernt hat von den englischen Gerichtsentscheidungen was zu tun ist damit das Menschenrechts- und Europarechtskonform ist da könnte man sofort beginnen.
00:11:15: Stattdessen macht die europäische Politik, machen die Mitgliedstaaten Symbolpolitik.
00:11:20: Reden über irgendwelche Rückkehrzentren, die am Ende keine große Wirkung haben werden oder reden über Grenzkontrollen im Schengenraum?
00:11:26: Beides ist eine Ablenkung von den ernsthaften Lösungen, die wir jetzt brauchen!
00:11:31: Herr Gnaus, herzlichen Dank für dieses spontane schnelle tolle Gespräch.
00:11:36: Ich danke Ihnen.
00:11:43: Wir haben in den letzten Tagen und Wochen fast nur noch auf Deutschland geschaut.
00:11:46: Auf den Kanzler seine schwierige Regierungsbildung, und auf alle Stolperer die ihm und anderen dabei passiert sind.
00:11:53: Zeit also jetzt da die Sache erst mal entschieden scheint dem Blick zu weiten auf die Welt ihre Veränderungen, ihre Bedrohung, ihre Brüche.
00:12:02: Wir haben dazu eine ganz besondere Gedegenheit.
00:12:04: wir haben Anna-Lena Baerbock zu Gast ehemaliger Außenministerin und seit einem Jahr Präsidenten der UN Vollversammlung.
00:12:11: Ihre Amtszeit endet im September, ein guter Moment um Bilanz zu ziehen.
00:12:16: Frau Baerbock, herzlich willkommen bei Table Today!
00:12:18: Vielen Dank für die Einladung, schönen guten Tag!
00:12:20: Zwölf Monate Präsidentin der Vollversammlung – wie hat sich ihr Blick auf die Welt verändert?
00:12:26: Gerade in momenten wo fast nur noch über Krisen geschrieben wird... Eigentlich ein positiver Blick.
00:12:33: Das mag jetzt erst mal paradox klingen, aber ich erlebe jeden Tag in der Generalvollversammlung dass da eine riesengroße Mehrheit von Staaten ist die genau weiß Ohne die Vereinten Nation, ohne diese internationale Zusammenarbeit, ohne die regelbasierte Friedensordnung wird ihr Land zugrunde gehen und dass eigentlich Kooperation, internationale Ordnung ihre Lebensversicherung ist.
00:12:56: Und das bringen sie auch jeden Tag zum Ausdruck in Abstimmung, die halt nicht mehr einstimmig sind sondern mit Mehrheit entschieden werden.
00:13:03: aber das findet dann halt kein Niederschlag in Berichterstattung weil über den Krieg der nicht ausgebrochen ist, weil man vorher Peacebuilding-Maßnahmen betrieben hat über den wird halt nicht berichtet, genauso wenig wie bei einer Hungersnot.
00:13:15: Die zum Glück nicht kamen weil das World Food Programme, das Welternährungsprogramm über die UN eben doch noch Lebensmittel verteilt hat und das spürt man aber halt jeden Tag in den Vereinten Nationen und deswegen ist es eigentlich ein positiverer Blick als zuvor.
00:13:30: Das heißt, man guckt viel zu sehr auf den Sicherheitsrat.
00:13:33: Der blockiert ist wie wir ja seit geraumten Jahren beobachten können ob das nun Russland oder China ist und ob es andere sind die ihre eigenen Interessen da verfolgen.
00:13:44: Driftet die Welt also weniger auseinander als wir im Augenblick denken?
00:13:50: Sie ist auf jeden Fall nicht so polarisiert, nicht so schwarz-weiß wie das dargestellt wird.
00:13:54: Man hat ja so das Gefühl auch gerade in der Berichterstattung dass eigentlich niemand mehr einer Meinung ist.
00:14:02: Aber das Gegenteil ist der Fall, weil ein paar wenige – das sind halt dann die stärksten und lautesten und die haben auch einen Sitz im Sicherheitsgrad genau wie sie angesprochen haben – die versuchen eben wieder den Grundsatz nicht die Stärke des Rechts sondern das Recht des Stärkeren einzuführen.
00:14:19: aber die Mehrheit der Staaten in den Vereinten Nationen sind es Jahrhundertneunzig jetzt umso deutlicher klar, da können wir nicht mitgehen und deswegen ist es eher eine Handvoll der ja starken lauten Jungs gegen aber eine riesengroße Mehrheit die deutlich macht.
00:14:40: Wir werden nichts zu unserem eigenen Untergang
00:14:42: schweigen.".
00:14:43: Was hätten Sie als Außenministerin anders gemacht wenn sie diese Erfahrung, die Sie gerade schildern bei Amtsantritt damals schon gehabt
00:14:50: hätten?
00:14:51: Nicht anders, sondern vielleicht noch vehementer.
00:14:54: Weil mein Ansatz als Außenministerin war ja eine aktive Außenpolitik zu betreiben.
00:14:59: und ich wurde zu Beginn immer gefragt Frau Baerbock, wollen Sie es wie Genscher machen?
00:15:03: Schäckbuch-Diplomatie oder wie Fischer machen mit Blick auf die Frage europäische Einheit stärken und das Fälscheste, was man eigentlich tun kann in einer Welt die sich in diesen Tagen noch rasanter weiterdreht als zuvor ist eine Außenpolitik von Jahrzehnten zuvor zu kopieren.
00:15:21: Die war zu den gegebenen Zeitpunkten absolut richtig.
00:15:24: nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland ja am Anfang gar nicht Gründungsmitglied der Vereinten Nation sondern wir sind erst viel später dazugekommen als BRD und DDR.
00:15:34: da musste natürlich dann erstmal Vertrauen geschaffen werden.
00:15:39: richtig, Stichwort Checkbook-Diplomatie deutlich zu machen.
00:15:43: Wir geben zurück weil wir so viel Leid über die Welt gebracht haben.
00:15:48: und was jetzt mit Blick auf meinem Innenblick nochmal in den Vereinten Nationen ich noch viel viel schärfer sehe ist wie viele Länder auch dort draußen auf der Welt sind mit dem man Cross Regional Alliance schließen muss also Kontinent übergreifende Allianzen, weil gerade die Kleineren es ja genauso sehen nur vielleicht nicht so eine ganz starke Stimme haben wie Deutschland.
00:16:09: und Deutschland muss halt seine Stimme dann auch entsprechend deutlich machen.
00:16:14: Wir sind zwar bezahlenmäßig jetzt nicht das größte Land aber wir sind hier nach wie vor die drittgrößte Volkswirtschaft und damit schauen viele Länder auch auf Deutschland.
00:16:22: da ist der deutsche Blick immer ein ganz anderer als die Außenbahnnehmung eigentlich als ein Land wo viele sagen Mensch da könnte doch Deutschland führen und für unsere gemeinsamen Interessen einstehen.
00:16:34: Wie hat sich umgekehrt der Blick der Welt auf Deutschland verändert in Ihrer Wahrnehmung im letzten Jahr?
00:16:41: Erster Punkt, der für mich zentral ist wir müssen einfach verstehen die Welt dreht sich so viel schneller als auch noch vor fünf Jahren und vielleicht sogar vor anderthalb Jahren.
00:16:49: das ist natürlich das ganze Netz dass es AI und wenn man da in gewissen Situationen mit dem Angriff auf den Iran, aber auch Venezuela erstmal sagt wir überlegen mal und gucken wo die Mehrheitsmeinung hingeht.
00:17:02: Ja dann ist es aber auch zu spät weil dann haben sich schon wieder drei andere Dinge ereignet.
00:17:07: Und zweitens was für mich wichtig ist Wir dürfen nicht vergessen in einer vernetzten Welt dass das was wir im Bundestag sagen Das was bei uns passiert das kriegen alle anderen mit.
00:17:17: also so eine Politik.
00:17:18: Zuhause besprechen mir das und Im Ausland verhalten wir uns dann ganz anders.
00:17:21: das funktioniert einfach nicht mehr.
00:17:23: und der dritte Punkt der zu sagen, gemeinsam sind wir stärker.
00:17:28: Das Motto meiner Präsidentschaft ist ja better together.
00:17:30: das heißt nicht alles ist einfach man darf überhaupt nichts rosa rot malen.
00:17:34: aber in solchen stürmischen Zeiten ist halt das einzige was funktionieren kann wenn man jetzt nicht die aller aller größte militär macht es sich gemeinsam unterzuhaken und damit eben auch deutlich zu backen.
00:17:47: wir können großen druck erzeugt und ich glaube dieser dieser gegenhebel wird in dieser tage total unterschätzt den man hat wenn man sich mit anderen zusammenschließt.
00:17:57: Es gibt ja schon länger den Vorwurf gegen Europa, aber auch gegen Deutschland ganz speziell der doppelten Standards.
00:18:03: Dieser Vorwurf wie schwer wird der inzwischen?
00:18:07: Auch gerade gegen Deutschland!
00:18:09: Erst
00:18:09: mal...
00:18:10: muss man es differenziert sehen.
00:18:12: Und das ist natürlich in dieser medialen Social Media-Welt schwierig.
00:18:16: Je komplexer es wird, desto attraktiver sind schwarzweiß einfache Antworten und je mehr Informationen man hat, destso schwieriger ist dann auch natürlich so knappe klare Position zu vertreten.
00:18:29: Ich habe dasselbe im ganzen Naostkonflikt nach dem siebten Oktober im Gaza Krieg gespürt wo ich versucht hab deutlich zu machen Die Menschlichkeit, die ist unteilbar.
00:18:41: Und da können wir nicht sagen auf welcher Seite steht man?
00:18:43: Steht man auf der Seite Israels oder auf der seite der Palästinenser?
00:18:47: Man steht auf der Seite der Menschlichkeit und dem Schutz der Menschen auf beiden Seiten Wenn man dazu schweigt zu einer Sache, zum Beispiel wenn Hunger als Waffe eingesetzt wird wie das was ich dann auch mir angesprochen habe mit Lebensmittelunterstützung.
00:19:03: Wenn man das nicht anspricht und auf der anderen Seite aber ansprecht in Russland passiert dass die eben auch die Getreidelieferung als Waffen ansetzt, dann wird es natürlich von Anderen im Zweifel gesagt warum schweigte er zu dem einen und zu dem anderen nicht?
00:19:16: Würden Sie sagen, dass das Deutschland wirklich international
00:19:20: schwächt
00:19:20: seine Glaubwürdigkeit untergräbt?
00:19:23: Grundsätzlich ist Glaubwirklichkeit der kostbarste Schatz und die wichtigste Vertrauensmaßnahme.
00:19:31: Und ich kann ja nur von mir sprechen, ich habe das deswegen immer versucht selbst in den schwierigsten Momenten möchte aber auch deutlich machen gerade wenn Halbsätze rausgeschnitten werden ist es natürlich nicht immer einfach.
00:19:46: Mein Anspruch war, ich muss jeden Abend oder jeden Morgen vor allen Dingen in den Spiegel schauen können und immer wieder versuchen.
00:19:53: In dieser absoluten Zeit der Gleichzeitigkeiten, der absoluten Brutalität meinen Kompass, der Werte der eigenen Interessen zu halten und damit
00:20:06: auch
00:20:06: unsere Glaubwürdigkeit zu halten.
00:20:08: Und für mich war das auszusprechen was ist und vor allem Dinge beim Namen zu benennen.
00:20:15: Man muss sich immer fragen, was ist eigentlich das Alleinstellungsmerkmal unseres Landes?
00:20:19: Zum Beispiel Themen wie die Nachhaltigkeitsziele, die jetzt für manche vielleicht wieder als Gedöns gelten.
00:20:25: Das sind Zukunftshemen für die meisten Staaten auf dieser Welt und daran geht es beim Recht auf sauberes Wasser bei erneuerbaren Energien um die Zukunftssicherung der meisten Staaten, die eben nicht mehr Entlebigungsländer sein wollen sondern auch daran ihren wirtschaftlichen Wohlstand bemessen.
00:20:46: Dass sie da rein investieren.
00:20:47: und wenn man in diesen Zeiten dann Entwicklungshilfe kürzt, dann kürzt man für diese Länder eigentlich ihre Perspektive auf wirtschaftliche Entwicklung und dann wenden die sich halt von Deutschland oder Europa ab und wenden sich anderen zu.
00:20:59: China macht das schon seit langen aber stehen natürlich auch hoch zum Beispiel die Golfstaaten Und Entwicklungszusammenarbeit ist eigentlich die wirtschaftliche Zukunftsfrage.
00:21:12: Frau Werbock, wir nehmen mit!
00:21:14: Die Welt rät sich rasend schnell, die Bedingungen haben sich sehr verändert und Deutschland muss sich diesen Bedingung neu stellen.
00:21:21: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.
00:21:23: Danke ebenso, hat mir viel Spaß gemacht.
00:21:34: Nina
00:21:34: war es sonst noch
00:21:35: was?
00:21:36: Ja, Silberdiamine
00:21:38: Flurid So heißt die neue Hoffnung für alle, die Angst vom Zahnarzt haben.
00:21:43: Muten war es sich ziemlich viele Menschen.
00:21:45: Wie ist das denn bei dir Stefan?
00:21:47: Oh mein Gott!
00:21:48: Inzwischen nicht mehr ganz so schlimm
00:21:50: aber
00:21:51: früher hatte ich wahnsinnig viel Angst.
00:21:53: Ich bin einer der immer vorher sich das Schlimmste ausmalt also auch beim Zahnarz Das heisst... ...ich lag oft nachts wach und dann war's am Ende als ich dann beim Zahnsatz zwar nur halb so schlimm Aber die längste kenne ich sehr gut.
00:22:08: Dann hättet ihr diese silberhaltige Paste wahrscheinlich auch sehr geholfen.
00:22:13: Damit soll sich nämlich Karies behandeln und eindämmen lassen, man muss sie dafür alle sechs Monate auftragen
00:22:19: und
00:22:19: nichts weiter.
00:22:20: also mit kein Bohren keine Füllungen, keinen Zähne ziehen nichts.
00:22:22: Dazu kommt noch, dass die Methode deutlich günstiger ist als bisherige Verfahren und deshalb wird jetzt eine große Studie durchgeführt um genügend Daten zu haben, um eine Freigabe der FDA zu bekommen.
00:22:33: Das ist die Food and Drug Administration in den USA, die eben neue medizinische Methoden freigeben muss und sollte das klappen könnte diese Methode auch bald bei uns flächendeckend angeboten werden.
00:22:44: Einen kleinen Haken hat die Sache dann aber doch!
00:22:47: Der behandelte Zahn ist danach nämlich etwas dunkler als vorher.
00:22:51: Ja,
00:22:51: vielleicht gehen die Leute in Zukunft trotz denen mit einem zufriedenen Lächeln oder überhaupt mit einem Lächel zum Zahnarzt.
00:22:59: Weil sie keine so große Angst mehr haben müssen jedenfalls nicht so eine große Angst wie ich sie früher hatte.
00:23:05: Der ja nicht schläft!
00:23:07: Auf jeden Fall
00:23:08: Wir sind morgen in aller Frische wieder für Sie da ab fünf Uhr.
00:23:13: bis dahin.
00:23:14: machen Sie es
00:23:32: gut.
00:23:38: Goin' through
00:23:38: emotions felt so fake.
00:23:40: Not myself,
00:23:41: not my best.
00:23:42: Felt like I failed the test But every tear has been a lesson.
00:23:47: Rejection can be God's protection.
00:23:50: Long hard road to get that redemption But no sure cuts to a blessing.
00:23:54: Yeah!
00:23:55: I'm scratch that baby I gotta say it's really big.
00:24:08: You see me shine from Remodeled
00:24:17: Used to beat
00:24:17: down on the ice Parkour Had a piece
00:24:20: of humble pie.
00:24:22: The eagle chick saved my land Das war's.
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