Hat die AfD die Social-Media-Schlacht schon gewonnen, Herr Sälhoff?
Shownotes
Friedrich Merz hat die AfD in der Generaldebatte schärfer angegriffen als je zuvor. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel hält er vor, ihr Wahlziel in Sachsen-Anhalt verfehlt zu haben – 56 Prozent hätten die AfD dort nicht gewählt. [01:52]
Im Bundestag inszeniere sich die AfD nur noch für Schnipsel in den sozialen Medien: Das hat Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge Weidel vorgehalten. Philipp Sälhoff, Geschäftsführer des Berliner Think Tanks Polisphere, gibt ihr recht: „Man kann mit einem Post der Wut zum Beispiel besser performen als mit einer sachlichen Darstellung eines Gesetzesvorhabens.“ Die Fragmentierung der Medienlandschaft hält Sälhoff für nicht mehr umkehrbar. [07:28]
Andreas Kroiss, Vorstandsvorsitzender des Werkzeugherstellers Einhell, sieht einen Standort, der von der Substanz lebt und sein Ansehen in der Welt verspielt hat. Von der Politik verlangt er einen radikalen Wandel und Fachleute in den Ämtern statt Personal ohne Sachkenntnis. Eine AfD in Regierungsverantwortung wäre für ihn kein Grund, Investitionen zurückzuhalten: „Dieses Ausgrenzen und diese Brandmauern finde ich lächerlich und das dürfte es eigentlich gar nicht geben.“ Eine Produktion in Deutschland plant Einhell ohnehin nicht. [14:18]
Gegen Steffen Krach, Spitzenkandidat der Berliner SPD, ermittelt die Justiz wegen Vorgängen aus seiner Zeit als Regionspräsident in Hannover. Hausdurchsuchung und beschlagnahmtes Handy gut zehn Tage vor dem Wahltag lassen ihm für einen Wahlkampf kaum Raum. Die Unschuldsvermutung gilt – bis zur Wahl hilft sie ihm nicht. [23:04]
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Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:08: Also wir sind hier jetzt nicht auf dem Fußballplatz, heben Sie sich das
00:00:11: fürs Wochenende aus.
00:00:12: Wenn das jetzt noch mal passiert
00:00:14: so ein Verhalten
00:00:15: schmeiß ich sie hier raus!
00:00:16: Mir reicht es jetzt her.
00:00:19: Im Tag nach der Generaldebatte gibt es immer noch manches zu verdauen und einiges Ausführlicher zu besprechen.
00:00:25: Die Aggression der Zwischenrufe hat einen Ausmaß angenommen dass nur noch schwer erträglich ist und dass es dem Kanzler in seiner nicht eben schönen Lage noch ein bisschen erschwert haben dürfte, im Bundestag Ruhe zu bewahren.
00:00:37: Ist ihm das trotzdem gelungen?
00:00:39: Dazu gleich mehr!
00:00:41: Schaut man auf diese Generaldebatte dann spielt im Übrigen nicht nur eine Rolle was man am Rednerpult sehen und hören könnte und
00:00:47: konnte.
00:00:48: vor allem die AfD hat fast so etwas wie eine Meisterschaft daraus gemacht alles zu einer großen Inszenierung werden zu lassen bei der sie besonders aggressive Zornige wütende Aufsage erzeugt, die sie direkt danach auf den ihr passenden sozialen Medien verbreitet.
00:01:03: Wie wirkungsvoll das ist und was das für alle anderen bedeutet haben wir mit einem Experten besprochen dem Geschäftsführer von PolySphere Philipp Selhoff.
00:01:14: Weil wir trotzdem nicht mehr nur über die AfD reden wollen sondern nach wie vor auch nach vorne schauen und über die Lage des Landes zum Beispiel über den Wirtschaftsstandort werden wir mit einem Mann aus der Praxis genau dazusprechen.
00:01:26: Wir haben den Vorstandsvorsitzenden des Werkzeugherstellers Einhell getroffen, Andreas Kreuz.
00:01:32: Und dann werden wir heute noch ganz kurz über den Fall des SPD-Spitzenkandidaten Stefan Krach
00:01:37: reden.
00:01:38: Das lässt sich an so einen Tag nicht vermeiden.
00:01:41: Heute ist Donnerstag der Zehnte September zwanzig sechsundzwanzig.
00:01:45: Legen wir los!
00:02:02: tragischen,
00:02:03: merkwürdigen Pressekonferenz am Montag.
00:02:07: Das ist doch nicht weiter
00:02:08: relevant weil ihre Zeit ist ohnehin abgelaufen.
00:02:12: die Bürger
00:02:13: wollen den Politik wechseln
00:02:14: und sie werden ihn bekommen.
00:02:16: Ja Frau
00:02:17: Weide
00:02:18: heute können Sie vor Kraft kaum laufen
00:02:22: aber
00:02:25: Sie haben ein bemerkenswertes in jeder Hinsicht bemerkswertes Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt erzielt.
00:02:32: Aber ich erlaube mir den Hinweis Ihr eigentliches Wahlziel in Sachsen-Anhalt, die Mehrheit der Mandate zu erreichen.
00:02:39: Das haben Sie nicht erreicht!
00:02:49: Wenn man
00:02:49: diese Äußerung führt, hat man es zwar noch schärfer als erwartet – diese Debatte.
00:02:54: Die einen Kraft trotzend, die AfD hat viel gewonnen.
00:02:58: natürlich fühlen sie sich jetzt als große Sieger und der andere ziemlich defensiv.
00:03:04: Man hat dem Kanzler gestern angemerkt, wie vorsichtig auch ein bisschen wie angeschlagen.
00:03:10: Wie nachdenklich er im Augenblick ist und ich musste gestern zugegebenermaßen als ich ihm zugehört habe immer wieder an diese Worte von Angela Merkel denken die am Dienstagabend sich auch zu diesem Wadergebnis geäußert hatte.
00:03:22: Das ist ein Einschnitt!
00:03:24: Ein wirklicher Einschnitt den wir in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erleben?
00:03:30: So kann, so muss man das wohl
00:03:33: sagen.
00:03:34: Es blutet mir als CDU-Mitglied das Herz.
00:03:38: Das muss ich wirklich sagen!
00:03:39: Ja ja und dann ist uns noch etwas aufgefallen.
00:03:41: Wir haben uns heute mal ein paar verbale Angriffe aus dem Protokoll des Bundestags genauer angeschaut Und es ist schon ziemlich erschreckend was da so gesagt wurde.
00:03:51: Zum Beispiel Bernd Baumann der Fraktionsgeschäftsführer zum März gesagt Das ist doch Quatsch, das is Blödsinn.
00:03:57: Was für eine Lüge.
00:03:59: So war seine Antwort darauf, als März davor warnte das Pflegekräfte und Handwerker mit ausländischen Wurzeln eine gigantische Lücke auf werden würden.
00:04:07: Sollten sie gehen oder vertrieben werden?
00:04:10: Oder Tino Ruppalla hat gesagt Brandstiftung, Brandstifting, Als März über den Hitzesommer spricht und den Klimawandel als Ursache benennt Und Alice Weidel hat nivellos bodendose Frechheit geschrien auch gegenüber Friedrich Merz der die Remigrationspläne der AfD kritisiert hat.
00:04:28: Ich habe euch gefragt, war das eigentlich immer schon so Stefan?
00:04:31: Dieser Ton.
00:04:31: War der schon immer so aggressiv und so scharf?
00:04:35: Ja und nein!
00:04:37: Es fing früh an.
00:04:38: Unvergessen ist dieser Satz von Alexander Gauland, der als die AfD-Jahre des ersten Mal in den Bundestag eingezogen ist einfach nur sagte wir werden sie jagen.
00:04:49: Das war damals seine Drohung und die waren nicht schön.
00:04:52: Und doch muss man wohl sagen, dass es wenn man mit anderen Abgeordneten spricht oder ältere Protokolle nachliest tatsächlich immer schlimmer geworden ist.
00:05:01: Und vermeintlich normaler weil man irgendwie und das sagen auch viele andere die das immer wieder lauschen, die mögen gar nicht mehr wie aggressiv sie sind Sie mögen das?
00:05:12: Und Sie glauben, dass das ganz in Ordnung so ist.
00:05:15: Das macht die Sache einig nur noch erschreckender.
00:05:21: um ein ganz anderes großes Thema im Kern, nämlich um die Frage wie der Kanzler auftreten würde.
00:05:27: Wie hast du ihn denn gestern erlebt Stefan?
00:05:30: Also
00:05:30: ich würde sagen er wollte Gefühle zeigen weil er weiß dass ihm viele gerade das vorwerfen einen Mangel an Emotionen.
00:05:39: allerdings ist damit nicht unbedingt das gemeint was er dann gestern gemacht hat.
00:05:42: Er war ja erkennbar zu beginnen vor allem darauf aus die AfD so scharf anzugreifen deren Position oder Nichtpositionen so scharf zu benennen wie eigentlich noch nie vorher.
00:05:55: Das war auf der einen Seite, glaube ich ganz gut für ihn jedenfalls aus Sicht der eigenen Fraktion.
00:06:02: die haben auch an dieser Stelle Beifall geklatscht.
00:06:04: aber das hat nicht gereicht um der eigenen Truppe, die wahnsinnig verunsichert ist das Gefühl zu geben er weiß jetzt auch ganz genau wo er hin muss.
00:06:13: Das hat gefehlt!
00:06:15: Er hat einfach nicht irgendwie wirklich Botschaften gegeben um dann irgendwie den eigenen Leuten einen neuen fangen auch so ein bisschen eine Zukunftsvision zu geben.
00:06:25: warum machen wir das alles?
00:06:27: Er hat gesagt Wir brauchen es, wir müssen das später erklären aber er hat's leider nicht erklärt.
00:06:31: Das Eine ist ja wie die Politiker miteinander reden Wie sie im Parlament miteinander umgehen und eben sich jetzt auch in einer neuen Tonlage verständigen.
00:06:40: Das andere ist, wie sie die Debatten nach außen tragen – insbesondere über die sozialen Medien.
00:06:46: Auch da scheint sich ja etwas verändert zu haben!
00:06:49: Was beobachtest du da?
00:06:51: Auf das ging im Prinzip relativ kurz nach zwei Tausend Siebzehn los aber hat sich dramatisch ich würde sagen verschärft.
00:06:59: Insbesondere in der AfD macht es sehr ausführlich so dass Ihre Auftritte im Parlament nicht mehr so hält, dass man das Gefühl hat da hält einer eine Rede und will dich überzeugen.
00:07:10: Der redet mit dir, der redet über dich aber er redet auch mit dir.
00:07:14: Er will auch andere überzeugen.
00:07:15: nein es sind eigentlich Momente der klassischen Inszenierung wo sie nur noch kleine Schnipsel für Posts in den sozialen Medien produzieren besonders gehässig, besonders wütend, besonders zornig.
00:07:29: und deswegen Weil diese Infektion sich verschärft hat und man den Eindruck hat, die einen machen es besonders gut.
00:07:34: Und alle anderen in den klassischen Parteien kommen nicht mehr hinterher.
00:07:37: bei diesem Mechanismus haben wir uns ein Gesprächspartner gesucht und ihn auch gefunden der uns erklären kann wie weit fortgeschritten das mittlerweile ist.
00:07:47: Der Berliner Fink Tank Polis IV analysiert politische Kommunikationen und Desinformation im Netz.
00:07:53: In diesem Zusammenhang untersucht er seit Jahren auf die Social Media Nutzung von Parteien und Fraktionen.
00:07:59: Sein Geschäftsführer ist Philipp Selhoff, geboren in Mecklenburg-Vorpommern und heute bei uns zu Gast.
00:08:07: Herzlich willkommen!
00:08:08: Vielen Dank für die Einladung
00:08:10: Herr SelhoFF.
00:08:10: Die grüne Fraktionschefin Katharina Dröge hat gestern Alice Weidel im Bundestag vorgeworfen sie halte im Parlament eigentlich gar keine Rede mehr sondern inszeniere sich nur noch perfekt mit Hass und Hetze wahrscheinlich um Schnipsel und Posten für die Social Media Kanäle der Partei zu produzieren.
00:08:28: Hat Frau Dröge recht?
00:08:30: Natürlich hat die AfD durch die Art der Aussagen, also sehr starke Verkürzung, Polarisierung etc.
00:08:37: und auch durch das sehr professionelle Social-Media-Management das natürlich auf ein Level getrieben, dass schon auffällt und wo man wirklich davon sprechen kann, dass sie Inszenierung dem inhaltlichen Part des parlamentarischen Austauschs überwiegt.
00:08:49: Und deswegen ja kann man das so sagen... Die AfD macht das nicht alleine aber sie macht es besonders gut und lang und erfolgreich!
00:08:57: Hat die AfD die Schlacht um die Social-Media-Frohheit eigentlich schon gewonnen?
00:09:02: Natürlich ist diese Dominanz da und die AfD hat sie vorhin auch aufgebaut, weil sie in den relevanten gerade bei jüngeren Zielgruppen Plattform einfach auch schon länger da ist.
00:09:14: Also ich habe mich an Diskussionen erinnern ob man jetzt als Demokratspartei auf TikTok gehen darf, weil es ja ein chinesischer Konzern und da hatte die AfD einfach schon richtig Performance aufgebaut.
00:09:22: das kann man natürlich A nicht so einfach wieder aufholen.
00:09:25: und B Hat das ja auch ein Grund, dass die AfD da so erfolgreich ist?
00:09:29: Weil sie eben den Content liefert und Verkürzungen, die eben auf und Polarisierung, die auf Social Media sehr gut funktionieren.
00:09:36: Sehr gut ausspielt!
00:09:38: Man hat das Gefühl auch durch diese immer starke Dominanz neuer, moderner, man will es ganz neutral ausdrücken, anderer Kommunikationsgernäle einen gemeinsamen öffentlicher
00:09:49: Raum
00:09:50: quasi komplett verloren gegangen is'.
00:09:52: Die allermeisten sind nur noch in isolierten... sich gegenseitig bestätigen, Kommunikationsblasen.
00:10:00: Ist es in Stein gemeiselt oder lässt sich das vielleicht noch mal irgendwann ändern?
00:10:04: Ich glaube die Fragmentierung der Medienlandschaft lässt sich nicht mehr ändern als dass wir zurückkommen an die Lagerfeuer der achtziger Jahre mit Tageszeitung und Tagesschau usw.. Diese Bubbles oder auch diese bewussten Gegenöffentlichkeiten passieren ja nicht im luftleeren Raum, sondern die kommen ja auf den Resonanzboden einer gesellschaftlichen Situation.
00:10:25: Also man zieht sich ja diese Information weil eine gewisse Affinität dazu hat, weil man vielleicht unzufrieden ist.
00:10:31: Manche auch, weil sie es einfach sich da bestätigt sehen – das ist schon eine Sache mit der wir leben müssen.
00:10:37: Ich glaube, wir müssen daran arbeiten, das besser zu moderieren und diesen gesellschaftlichen Boden.
00:10:42: Und darum geht's einmal!
00:10:43: Es ist keine technische Frage, es ist am Ende eine gesellschaftlich politische Frage inwieweit da eine Anfälligkeit dafür da ist?
00:10:48: Und man kann sich ja auch mal anschauen wo über die deutschen Landesgrenzen hinaus ist nicht so überall da, wo Social Media da ist.
00:10:56: ein riesiges Demokratieproblem haben.
00:10:59: Aber wir müssen eben diese Diskursräume, den Diskurs selbst wieder so auf eine integrative oder zumindest auf eine Ebene bringen, dass man sich nicht immer das Schlechteste unterstellt und dass man politischen Wettstreit auch als Wettschreit versteht und dich als Diffamierungskampagne und gegeneinander.
00:11:15: Warum wirken die klassischen Parteien bei alledem nach wie vor eigentlich fast wehrlos?
00:11:22: Es gab auch in Sachsen-Anhalt Offenkundig gravierende Unterschiede zwischen den Spitzenkandidaten.
00:11:29: Verkürzungen funktionieren auf Social Media sehr gut.
00:11:31: Man kann mit einem Post der Wut zum Beispiel besser performen als mit einer sachlichen Darstellung eines, weiß ich nicht, Gesetzesvorhabens.
00:11:37: Aber
00:11:37: genau das verzehnfacht ja das Problem?
00:11:39: Richtig!
00:11:40: Also selbst wenn man jetzt sagen würde, man hat ein politisches, weiß Ich nicht, vielleicht die Einkommenssteuerreform oder das Rent-System... Selbst wenn man das verkürzt und man will ja etwas erklären, vermitteln warum machen wir das?
00:11:53: Und es ist zwar eine positive Erzählung aber per se hat sie schon mal einen Startnachteil gegen Überspitzen, teilweise falschen Emotionalisierungen.
00:12:01: Das andere ist die Personalisierung und da ist mit Ulrich Siegmund jetzt nicht der erste aber es ist schon ein sehr deutliches Beispiel davon wie eben die Figuren die Personen das natürlich rein weil Social Media ist ein Ort wo Menschen Menschen folgen wollen eigentlich Und deswegen haben jetzt Partei-Accounts schon mal per See eben auch Daten, einen gewissen Nachteil.
00:12:22: Aber die Etablierten sag ich jetzt mal Parteimasseln sagen, die haben bisher eher selten es geschafft das auch mit Personen zu hinterlegen.
00:12:30: Die Reicheneck ist dann sehr beliebtes Beispiel.
00:12:32: auf TikTok hat sie auch sehr gut gemacht.
00:12:34: aber Ulrich Siegmund hat es eben auch in der Personifizierung sehr gut Und da hat die AfD tatsächlich in den letzten Jahren gar nicht so viele Fälle.
00:12:44: Also wenn man sich jetzt mal anguckt, wie die Popularität von Alice Weide und Tino Kropalla ist... Da muss man dann auch eher darüber sprechen dass es da ein Netzwerk gibt.
00:12:50: Es gibt rechte YouTuber Influencer usw.
00:12:53: Alternative Medien.
00:12:54: Das muss man immer mit dazusagen weil das ist nicht die AfD alleine, sondern auch das Vorfeld und die ideologischen Netzwerke.
00:13:01: Wenn man davon ausgeht Sie haben's ja auch selber gesagt Ein mächtiger Treiber is Wut.
00:13:07: Würden Sie eigentlich im Umkehrschluss auch den klassischen Parteien, die jetzt versuchen nur zu sagen wenigstens wieder auf Augenhöhe zu kommen empfehlen.
00:13:16: Auch mit Wut gegen die AfD Kampagnen oder AfD Behauptungen Anwürfe Hasshetze vorzugehen?
00:13:25: Gibt es eine positive Wut?
00:13:28: Es gibt Wut, die positiv kanalisiert werden kann Und das sieht man ja auch oft jetzt in der Reaktion auf die Ergebnisse in Sachsen-Anhalt, wo man sagen kann ich bin wütend dass das hier passiert ist.
00:13:38: Dass diese Entscheidung so passiert ist Das muss natürlich eine konstruktive Bahn gelenkt werden und ich glaube das ist die Gefahr da Ja, sozusagen Akteur versucht das konstruktiv zu wenden.
00:13:50: Per se würde ich aber nicht sagen dass das das richtige Mittel ist.
00:13:52: Das kann mal ein Moment sein wo man sich aufregt zurecht.
00:13:56: Aber der große Punkt ist natürlich auch auf Social Media eine Erzählung und vor allen Dingen aber auch Ergebnisse!
00:14:01: Und das ist... Man redet immer oft über Narrative usw.. Es ist auch wichtig, aber am Ende nützt es nichts wenn die Lebensrealität und die wahrgenommenen Lebensrealitäten vor Ort eben nicht die ist wie die Leute erwarten.
00:14:12: Herr Selhoff, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
00:14:23: Wir haben in dieser außergewöhnlichen Woche viel über mögliche Szenarien gesprochen und über Zusammenhänge und Folgen.
00:14:30: Oft waren wir dabei etwas theoretisch, weil Politikings oft auch um Wirtschaft aber auch da viele was passieren sollte könnte müsste.
00:14:38: Unser Chefredakteur Michael Bröker hat mit einem Mann aus der Praxis gesprochen, wo es dann eben ganz konkret wurde.
00:14:45: Der Österreicher Andreas Kreuz ist der CEO des Werkzeugherstellers Einhell aus Landau an der Isar in Niederbayern und Kreuzes schon seit Ende der Neunziger in dem Unternehmen.
00:14:53: Er hat erst im Vertrieb angefangen und kam dann in den Vorstand.
00:14:57: Im Vorstand ist er am Vorstandsvorsitzender geworden.
00:15:01: Für das Unternehmen, das mit ein bis zwei Milliarden Umsatz sehr stattlich ist und in unterschiedlichen Teilen der Welt auch unterwegs ist, eigentlich ein Sinnbild des klassischen deutschen Mittelstands.
00:15:13: Und dem betrifft all das, worüber die Politiker viel diskutieren und eben oft in Theorien schwelgen.
00:15:18: ganz konkret – und er hat auch sehr klare Ansichten dazu!
00:15:22: Die wollen wir jetzt mal hören.
00:15:26: Ein Drittel ihres Geschäfts machen sie noch in Deutschland.
00:15:29: Eins Komma zwei Milliarden Euro soll laut Prognose der Umsatz dieses Jahr sein, würden Sie sagen Deutschland ist noch ein wettbewerbsfähiger Industriestandort?
00:15:37: Deutschland lebt von der Substanz.
00:15:39: die Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg.
00:15:42: Die haben angepackt, die haben hart gearbeitet.
00:15:44: Meine Generation ist auch noch so aufgewachsen aber die jetzige Generation hat glaube ich nicht mehr so den Treiff.
00:15:52: man kann nicht alle in einen einen Topf schmeißen natürlich, aber der Prozentsatz aus meiner Sicht ist rapide gesunken.
00:15:59: von denen die wirklich bereit sind aus der Komfortzone rauszugehen hart zu arbeiten.
00:16:05: Dieser Prozensatz ist bei den Jungen massiv zurückgegangen.
00:16:08: ob sie jetzt arbeiten oder nicht arbeiten man fällt ja eh weich im sozialen Netz.
00:16:14: dann ist es auch klar dass dir Ansporen hart zu Arbeiten nimmer so da ist.
00:16:20: ich habe meinen Mitarbeitern einmal das so erklärt stört sich zwei Artisten vor.
00:16:27: Beide in zehn Meter Höhe ein Seil gespannt und beide müssen da drüber gehen, der erste Artist hat kein Netz und der zweite Artist das erste Netz hängt schon noch einen Meter, des zweiten noch zwei Meter und dort fünf Netze in die er reinfällt.
00:16:46: Welcher dieser beiden Artisten wird härter trainieren dass er nicht runterfällt?
00:16:53: Das ist ein
00:16:54: hartes Beispiel für die Leistungsbereitschaft, aber nachvollziehbar.
00:17:00: Wenn ich tausend Sicherheitsnetze habe muss ich mich weit nicht so anstrengen als wenn ich kein Sicherheitsnetz habe.
00:17:07: und jetzt sage ich nicht, dass es solche Sicherheits-Netz geben.
00:17:09: Die Leute, die arbeiten, sollen natürlich eine Sicherheits Netze haben.
00:17:12: Aber die, die nicht arbeiten, weiß ich nicht wie lange man das Sicherheits Netz diesen Leuten geben muss?
00:17:18: Ich hab da meine klare Meinung dazu!
00:17:19: Viele
00:17:20: Jahre war gerade der Blick von außen, sie sind Österreicher auf Deutschland ja ein Land das sehr fleißig, sehr ambitioniert und hungrig ist.
00:17:28: Gerade was volkswirtschaftliche Produktivität betrifft – ist dieses Image auch den Deutschen vorbei?
00:17:34: Also meiner Sicht komplett vorbei!
00:17:36: Wenn ich zurückdenke, dreißig Jahre als junger Vertriebler….
00:17:40: Ich habe mit größter Anerkennung auf Deutschland geblickt Unfassbar stolz, wie ich endlich dann in Deutschland in einem zehnfach größeren Markt arbeiten durfte.
00:17:53: Früher, wenn im Ausland war, habe ich gerne gesagt dass ich Deutsche bin.
00:17:57: heute nicht mehr so.
00:18:00: und es ist auch so, wenn sie in der Welt unterwegs sind egal ob das China oder viele andere Länder sind, Deutschland hat in den letzten Jahren sein Image einfach total eingebüsst was wirklich schade ist.
00:18:12: Ist das noch revidierbar oder sind wir in einer saturierten Volkswirtschaft, wo ein Comeback einfach gar nicht mehr gelingt weil der Sättigungsgrad so hoch ist?
00:18:21: Also mit der Art und Weise wie wir an die Dinge rangehen immer alles nur komplizierter zu machen.
00:18:28: Immer alles nur leistungs-, weniger leistungsoorientiert zu machen wird es keinen Change geben.
00:18:34: Es muss einen radikalen Change geben Und wenn's denn nicht gibt dann wird sich auch nichts ändern.
00:18:40: Welchen Anteil hat die Politik an diesem radikalen Change?
00:18:42: Was verlangen Sie?
00:18:44: Also aus meiner Sicht hat der einen sehr hohen Anteil daran, aber es wird schwer möglich sein.
00:18:49: Weil wenn ich mir vorstehe dass wir in unserer Firma drei CEOs hätten ja was kann denn daraus kommen?
00:18:56: Aus meiner Sicht so lange wir nicht das System ändern!
00:19:00: Das System heißt für mich der Winner-Texidoll, das heißt es gibt eine Wahl und der Sieger von dieser Wahl regiert und dann nicht vier Jahre, sondern sechs Jahre.
00:19:11: Der muss noch hundert Tagen sein Team vorstellen ja?
00:19:15: Und dieses Team müssen Experten sein und nicht irgendwelche Leute die man heute dort hinsetzt, die keine Ahnung haben!
00:19:21: An dem scheitert es einfach.
00:19:23: Sehr viele haben keine Ahnung von dem was sie tun.
00:19:25: Dann haben wir genau diese Resultate und wir brauchen uns nicht wundern wenn da nichts vorwärts geht.
00:19:30: Ja, weil wenn Sie mich morgen in den Krankenhaus setzen und ich muss den Herzchirurgen erklären wie sie die Operationen am Herzen machen sollen dann ist es genau das gleiche Resultat.
00:19:41: Wie wenn sich der eine oder andere auf irgendwelche Positionen sitzen von denen er keine Ahnung hat?
00:19:45: Es klingt auch nicht so als würden Sie bei neuen Investitionen, die Sie in Europa, in Werke, in Beschaffung, in Logistik tätigen wollen an Deutschland zuerst denken?
00:19:55: Nein!
00:19:55: Schauen Sie alles was Deutschland betrifft werden in Deutschland sicherlich keine Produktion machen.
00:20:00: Aber alles was Deutschland betrifft und das notwendig ist, das machen wir natürlich nach wie vor.
00:20:05: Wir sagen jetzt nicht bewusst, solange die Situation so ist, machen wir nichts in Deutschland.
00:20:10: Also wir investieren im Moment sehr viel in Logistik weil es einfach notwendig die Logistik vernünftig ausbauen und natürlich könnte man das jetzt mit Gewalt versuchen, das in Polen oder den Ungarn zu machen.
00:20:24: Aber das machen wir hier weil wir hier die Leute haben und weil wir natürlich schon an unserem Standort denn wir hier haben auch wirklich festhalten weil wir Bayerische Firma sind.
00:20:34: ja aber ich würde mir halt wünschen dass man uns das Leben leichter macht als wie schwerer Und diese ganzen Regularien, die wir haben und diesen ganzen Hürden und den ganzen Mist.
00:20:45: Das sind ja alles Kosten, die sie uns aufbühren, die uns im internationalen Wettbewerb einfach
00:20:51: lehnen.".
00:20:54: mit mir über den Standort Deutschland reden und die Probleme, die wir haben.
00:20:56: Jetzt haben wir eine ganz andere Diskussion seit einer Woche.
00:20:59: durch die Wahlen in Sachsen-Anhalt sind Schockwellen ins politische Berlin gesendet worden.
00:21:05: Eine AfD steht womöglich kurz davor einen Ministerpräsent zu stellen.
00:21:09: für Sie als Unternehmer wäre eine solche politische Entscheidung des Sovereins in der Demokratie ein Anlass Investitionen einem solchen Land eventuell nicht zu tätigen.
00:21:19: oder spielt das für sie keine Rolle?
00:21:21: Nein es wird wirklich keine Rolle spielen der gewählt wird, das muss man akzeptieren.
00:21:26: Und dieses Ausgrenzen und diese Brandmauern finden lächerlich – und es dürfte sie eigentlich gar nicht geben!
00:21:31: Weil sind wir zur Demokratie?
00:21:33: oder sind wir gerade Demokratie?
00:21:35: Wenn Sie die anderen mehr anstrengen, dann werden Sie ja wieder mehr Stimmen kriegen.
00:21:38: Aber wenn ich natürlich vor der Wahl immer A sage und nach der Wahl B mache, dann brauchen wir nicht wundern, wenn ich solche Ergebnisse habe.
00:21:45: Es ist auch gut, wenn es solche Ergebnisse gibt weil vielleicht rüttelt das einmal die Leute wach.
00:21:50: Das ist immer überlegen, was Sie sagen und was Sie dann tun.
00:21:54: In Österreich ist ja die Brandmauer schon viel früher gefallen und die ÖVP und die FPÖ koalieren und kooperieren miteinander aber am Ende ist die FPö bei fast vierzig Prozent und die övp unter Ferner liefen.
00:22:05: also diese Umarmungsstrategie hat die Rechtspopulistin in Österreich zumindest stärker gemacht?
00:22:11: Ja ich glaube wenn es sich anschauen gibt ja in Österreich ist es also die Steiermark.
00:22:16: zum Beispiel wird er von einem FPÖ-Landeshauptmann regiert.
00:22:21: Auf der anderen Seite gibt es in Graz einen kommunistische Bürgermeisterin, ich muss da drüber schmunzeln.
00:22:29: Gibt's eine kommunistischen Bürgemeisterin?
00:22:31: Aber die ist jetzt gerade wieder gewählt worden und das ist halt Demokratie!
00:22:35: Wenn die Leute das wollen dann müssen wir den Willen der Leute in einer Demokratie einfach akzeptieren und respektieren.
00:22:44: ja und das denkrennt man aus und da machen wir das.
00:22:47: das ist für meine Demokratie
00:22:49: Klares Plädoyer, wir sind gespannt wie es in Österreich weitergeht und auch in Deutschland.
00:22:53: Und wünschen Ihnen für Ihr Unternehmen weiterhin viel Erfolg!
00:22:55: Vielen Dank lieber Herr Knorstein!
00:22:56: Danke!
00:23:04: Stefan.
00:23:04: ich frag dich heute gar nicht ob noch was war weil ich weiß dass bei euch im Berlin-Table gestern Abend ganz schön etwas los war.
00:23:12: Ja so ist es und zwar wurde bekannt das es Ermittlungen gibt gegen den SPD-Spitzenkandidaten Stephan Krach.
00:23:18: Es geht zurück auf Ereignisse vor drei Jahren.
00:23:22: da war er Regionalpräsidentin Hannover.
00:23:25: Diese Ermittlungen kommen natürlich überraschend.
00:23:26: Sie kommen zehn, zwölf Tage vor dem Wahltag in Berlin und das ist natürlich auf unterschiedlicher Art und Weise sehr spektakulär.
00:23:35: Für ihn ist es dramatisch und man fragt sie natürlich sofort wenn das stimmt wie kann einer?
00:23:41: Wenn das denn stimmt dann noch irgendwie in der Hauptstadt als Spitzenkandidat antreten?
00:23:46: gleichzeitig fragt man sich Wie macht es eine Staatsanwaltschaft dass sie quasi zehn Tage vorher Hausdurchsuchung anordnet, das Handy abnimmt.
00:23:56: Also sozusagen doch mit relativ gastiger Art in so sehr belastet dass er eigentlich natürlich also kann weder einen richtigen Wahlkampf machen noch ist er jetzt irgendwie handlungsfähig.
00:24:08: Sowas passiert natürlich extrem selten.
00:24:10: umso mehr haben wir gestern Abend überlegt was können wir daraus machen?
00:24:13: Was müssen wir da rausmachen?
00:24:15: Es beschäftigt viele, es sind viele Fragen logischerweise offen.
00:24:19: Nichts ist beantwortet.
00:24:20: Irgendwie muss die Justiz arbeiten wie sie arbeitet.
00:24:24: Gleichzeitig muss die Unschuldsvermutung gelten nur, die ist natürlich irgendwie Zentrage vor der Wahl.
00:24:29: das ist ja gar nicht mehr aufzulösen.
00:24:32: Selten hat es sowas gegeben ausgerechnet in der Hauptstadt.
00:24:36: klingt blöd aber ich bin natürlich total gespannt wie's ausgeht.
00:24:39: Nur diese Malese und dieses Gewicht am Bein kann ihm im Prinzip gar nicht helfen.
00:24:45: Also eine ungewöhnliche Situation auch für Journalisten, die darüber schreiben oder darüber sprechen müssen und das Ende nicht kennen.
00:24:54: Für euch wird es also ein aufregender Donnerstag.
00:24:57: Ihnen wünschen wir zumindest bei einem guten und vielleicht euren bisschen aufregenden Tag.
00:25:00: kommen Sie auf jeden Fall gut durch!
00:25:02: Ich wünsche auch einen schönen Tafel.
00:25:09: Tschüss!
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