Was bringt es, mit Russland zu sprechen?

Shownotes

Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, hält das erste Treffen von Außenminister Johann Wadephul mit Sergej Lawrow seit Kriegsbeginn für richtig, auch ohne Ergebnis: „Die Überraschung bei solchen Gesprächen ist, wenn was rauskommt.“ Lawrows Umgang mit dem Treffen nennt der frühere Botschafter eine grobe Unverschämtheit und setzt stattdessen auf stille Diplomatie nach dem Vorbild Egon Bahrs. Zum G20-Gipfel mit Wladimir Putin rät er Europas Regierungschefs: „Hinfahren und ihm das Leben schwer machen.“ [01:19]

Viktor Funk, Redakteur beim Security.Table, war in Kiew und Odessa und hat im fünften Kriegsjahr ein Land erlebt, das trotz Dauer-Luftalarm Familien gründet und an seine Zukunft glaubt. Russlands neue Jet-Drohnen haben die ukrainische Abfangquote von über neunzig auf gut sechzig Prozent gedrückt. Vor dem Winter baut die Ukraine Batteriespeicher auf, doch die Großstädte bleiben verwundbar. [13:05]

Nach den Wahlschlappen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern formiert sich in der CDU ein neues Machtzentrum aus den Ministerpräsidenten und den Landeschefs Manuel Hagel und Sebastian Lechner. Johannes Winkel, Chef der Jungen Union, warnt seine Partei öffentlich vor dem Untergang, falls sie sich nicht grundlegend verändert. [18:52]


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Transkript anzeigen

00:00:02: Table Today, der Inscheider-Podcast

00:00:05: von Table Briefings.

00:00:10: Es ist kein diplomatischer Durchbruch aber doch eine sanfte diplomatische Zeitenwende.

00:00:15: am Rande der UN Generaldebatte in New York hat der deutsche Außenminister Johann Wadefühl mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lavrov gesprochen.

00:00:22: Immerhin zwanzig Minuten, aber was das jetzt gebracht hat?

00:00:26: Was es insgesamt für die Beziehung zwischen Europa und Russland bedeutet darüber sprechen wir mit dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz und langjährigen Top-Diplomaten Wolfgang Ischinger.

00:00:36: Und während die Top-Diplomaten über die Ukraine sprechen wollten, wir wissen wie es den Menschen im Land geht.

00:00:41: Jetzt im fünften Jahr des Krieges.

00:00:44: Deshalb haben wir nachgefragt bei unserem Kollegen Viktor Fung vom Security Table der gerade erst aus der Ukraine zurückgekehrt

00:00:49: ist.

00:00:51: Aber ganz ohne die CDU, liebe Nina Wolnweit unsere Zuhörerinnen und Zuhörer hier auch nicht rauslassen aus diesem Podcast.

00:00:56: deswegen reden wir kurz über das neue Machtzentrum Es nennt sich acht plus zwei und was es damit aufsichert gleich bei uns.

00:01:03: Und zum Schluss sagen wir Ihnen noch, wie die ideale Schule der Zukunft aussieht.

00:01:07: Die wird nämlich morgen ausgezeichnet vom Bundeskanzler höchstpersönlich.

00:01:10: Es ist Montag, der September-September-Mann.

00:01:13: legen wir los!

00:01:20: Wissen Sie mit Freunden muss man nicht verhandeln?

00:01:22: Mit Gegnern muss man verhandlen?

00:01:24: Das ist einer der Kernsätze der Außenpolitik, die auch hier gelten.

00:01:29: Allen, die immer wieder sagen Deutschland muss verhandelen, Deutschland muss mal mit Russland reden den erwidere ich jetzt.

00:01:36: das tun wir Und Russland zeigt zum jetzigen Zeitpunkt bedauerlicherweise keine Bereitschaft, in eine konstruktive Verhandlungsposition zu gehen.

00:01:45: Lange wurde es vorbereitet hinter den Kulissen immer wieder diskutiert soll man oder soll man nicht?

00:01:49: Jetzt ist es dazu gekommen.

00:01:50: das erste Mal seit dem Beginn der russischen Vollinversion trifft Johann Wadefuhl, der Außenminister.

00:01:55: Es sei gelaufen auf den russischem Außen-Minister – wir haben gerade dazu Wadeful im O-Ton gehört!

00:02:00: War das Gespräch umsonst oder bringt es doch etwas mit so einem wie Lavrov zu sprechen?

00:02:05: Das hast du Michael, ein Mann gefragt der sich bestens auskennt mit heitlen Gesprächen auf internationaler Ebene.

00:02:10: Wolfgang Ischinger Vorsitzender der Münster Sicherheitskonferenz und ehemaliger deutscher Botschafter in Washington und London war bei dir und hat ihr Fragen dazu beantwortet.

00:02:19: Einen schönen guten Tag Herr Ischinge!

00:02:20: Hallo

00:02:21: Herr Parker ich grüße Sie!

00:02:23: Erstmals seit mehr als vier Jahren trifft Lavrov den deutschen Außenminister Johann Wadefuhl direkt.

00:02:28: War das richtig, diese Initiative Herr Eschinger?

00:02:31: Ich finde es war absolut richtig.

00:02:34: Wir haben ja zur Kenntnis nehmen können dass es schon seit geraumer Zeit alle möglichen Kontakte auf verschiedensten Ebenen zwischen den USA und der Russischen Federation gibt.

00:02:47: Und wenn man sich nun ohnehin wie üblich im September bei den Vereinationen aufhält ist es doch das Normalste in der Welt, wenn eine alte Tradition seit Jahrzehnten sich der deutsche Außenminister mit dem russischen Außenminister und vielen anderen trifft, dass man das fortsetzt.

00:03:05: Damit darf man aber natürlich nicht – und das wäre der erste Punkt den ich gerne machen würde Herr Bröcker – da darf man jetzt sicher erwarten, dass so ein Gespräch eins von ganz ganz ganz vielen die Wadefuhl einerseits und Labroth andererseits in New York wird, dass das sozusagen die Welt verändert.

00:03:20: Das sind Kontaktgespräche.

00:03:21: Das ist sozusagen das kleine Networking was wir in Berlin sagen auch jeden Tag machen.

00:03:27: da kommen dann auch nicht gleich sensationelle Ergebnisse heraus also insoweit tiefer hängen.

00:03:32: aber es war richtig das Gespräch zu suchen oder anzubieten.

00:03:37: Es war absolut richtig.

00:03:39: ich hätte es schade gefunden wenn das nicht stattgefunden

00:03:43: wäre.

00:03:44: und gesagt, man müsse mit Gegnern eben verhandeln.

00:03:48: Trotzdem soll er so wie Lavrov es in einer Pressekonferenz berichtet hat ja einfach nur ein Statement vorgelesen haben.

00:03:54: wenn man ohnehin bekannte Position dann hinter verschlossenen Türen berichtet was bringt's denn?

00:04:00: Naja das ist wie beim Schachspiel der erste Zug.

00:04:05: da zieht man einen Bauern in aller Regel nach vorne und dann wird man sehen was die andere Seite zu sagen hat.

00:04:14: Ich war ja bei dem Gespräch nicht dabei.

00:04:17: Aber es hätte mich jetzt sehr gewundert und ich habe auch nirgendwo vernommen, dass etwa Sergei Lavrov ein großartiges uns allen bisher nicht bekanntes Friedensangebot.

00:04:27: Herr Wadebund unterbeidete also der Vorwurf Der deutsche Außenminister habe sozusagen bekannte Position vorgetragen.

00:04:34: Er geht er völlig in die Lehre.

00:04:36: Es hat jetzt vier Jahre lang kein persönliches Gespräch zwischen dem deutschen Außenminister oder der früheren deutschen Außeministerin und der russischen Seite auf dieser Ebene stattgefunden, das ist ein Eröffnungszug.

00:04:51: Und dann wird man ja sehen – oder man hätte erwarten können – dass die russische Seite sagt vielleicht können wir bei nächster Gelegenheit mal etwas vertieft über diese Dinge reden?

00:05:02: Der Eindruck den Sergei Lavrov erweckt durch seine wie ich finde unflätige Art der Pressemitteilung Zeigt aber und ich finde das wirklich sehr, sehr schade.

00:05:14: Sehr bedauerlich diplomatisch politisch dass er eigentlich keinerlei Interesse zeigt an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit in einem Austausch von Position auf der Suche nach Lösungen.

00:05:30: Das war aus meiner Sicht eine große Unverschämtheit die Art und Weise wie Lavrov hinterher, pressemäßig mit diesem Treffen umgegangen ist.

00:05:38: Außerdem war es eine genauso grobe Unverschämtheit dem deutschen Gast ein Papier auf diesen russischen Tisch das ganze fand ja bei mit russischer Gastgeberrolle statt ein Papiers auf den Tisch zu legen dass sozusagen die russische Version dessen was in Buttscha vor vierenhalb Jahren passiert ist wieder gibt.

00:06:00: Das würde ich Ehrlich gesagt, auch als eine grobe Unverschämtheit betrachten und eigentlich hätte irgendjemand von der deutschen Delegation dieses Papier schnappen müssen.

00:06:10: Und es einfach unter den Tisch schmeißen.

00:06:12: das geht einfach so überhaupt nicht jedenfalls nicht nach dem Gepflogenheiten die ich in fünfzig Jahren Diplomatie gelernt haben.

00:06:20: Aber trotzdem man könnte ja auch sagen keine Ergebnisse nicht einmal der Ansatz von inhaltlicher Verhandlungsbereitschaft oder Zugeständnisse irgendeiner Art offensichtlich zumindest nicht.

00:06:30: Gleichzeitig bekommt Lavrov Shakehand Fotos mit dem deutschen Außenminister und auch noch die Gelegenheit im russischen Staatsfernen zu erzählen, dass Lavrov gar nichts anbieten könne aber eher selbstverständlich auf die Initiative eingegangen sei.

00:06:44: Dann macht man sich da zum Büttel der russischem Propaganda?

00:06:47: Naja

00:06:48: es ist immer die Frage was ist die Alternative?

00:06:51: wenn wir jetzt diese Initiative nicht gestartet hätten dann wären doch Nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Teilen Europas die Rufe nur noch lauter geworden.

00:07:01: Wo bleibt hier eigentlich die Diplomatie?

00:07:04: Wieso redet ihr eigentlich nicht mit den Russen?

00:07:06: Andere reden doch mit denen und deswegen glaube ich war es selbst wenn man vorher ahnte dass das von der russischen Seite nur so sagen propagandistisch ausgeschlachtet werden würde war es glaube ich doch in der Sache richtig und zweckmäßig aus meiner Sicht sogar fast notwendig, dass man sich diesem Exerzitium unterworfen hat.

00:07:30: Das war alles sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig aber so ist das normal in der Diplomatie.

00:07:35: ich habe in meinen aktiven Jahren wirklich an vielen Dutzend hunderten von Gesprächen von Bundeskanzlern und Ministern teilgenommen bei denen null Komma gar nichts rausgekommen ist.

00:07:47: die Überraschung bei solchen Gesprächen ist wenn was raus kommt.

00:07:51: Die meisten Gespräche verlaufen Im Sande, weil man sich in einem, in einer Gespräch, so und egal ob die fünfzehn Minuten oder fünfundvierzig Minuten dauert.

00:08:01: Natürlich nicht wirklich in einer Verhandlungsatmosphäre mit einem Gift and Take, mit einem Do-und-Des austauschen kann!

00:08:10: Es war ein erster Kontakt und ich bin jetzt mal gespannt, ob und auf welcher Weise ein deutsch-russischer Kontakt in der Zukunft fortgesetzt werden kann.

00:08:21: Offensichtlich ist die russische Seite nicht wirklich in der Sache interessiert, aber vielleicht ändert sich das ja auch noch.

00:08:27: Vielleicht beginnt man in Moskau zu erkennen dass es nicht so ist, dass die deutsche Seite hier keine Rolle hat.

00:08:34: Wir sind der wichtigste Geber und Unterstützer der Ukraine Und alleine schon deswegen wäre es aus meiner Sicht kluge russischer Politik mal die deutschen ernst zu nehmen und mit denen ernsthaft zu reden.

00:08:48: Und kennen Sie alle diplomatischen Tricks aus Ihrer langjährigen Tätigkeit, Herr Ischinger?

00:08:52: Wäre es nicht sinnvoller, jenseits der großen öffentlichen Chefgespräche die immer auch inszeniert werden können oder ausgenutzt werden können vertrauliche kleinere Gruppen zu bilden mit Schärpast.

00:09:04: Die tatsächlich in die Inhalte gehen und überlegen was geht und was geht nicht?

00:09:09: Ja da sprechen sie mir jetzt natürlich wirklich aus dem Herzen.

00:09:13: Es gibt in der Diplomatie im Prinzip ja zwei Formen von Kommunikation.

00:09:19: Das eine ist das, was wir gerade erlebt haben in New York, nämlich ein Gespräch, dass inhaltlich nichts oder nicht viel erbringt und über das dann beide Seiten – in diesem Fall vor allem die russische Seite – versucht propagandistisch Punkte zu machen.

00:09:36: Das ist also Public Diplomacy vom Unfeinsten würde ich jetzt mal sagen.

00:09:41: Die andere Version von Diplomatie ist das was wir auf Deutsch stille Diplomatie, unsere amerikanischen Freunde nennen das Backchannel-Diplomacy also Diplomatie ohne Medienaufmerksamkeit und ich würde denken dass unter den wie sagt man so schön unter den obwaltenden Bedingungen die wir hier gerade erleben.

00:10:06: Das es möglicherweise vielversprechender wäre wenn sich nicht Deutschland alleine, wir sind jetzt nicht der Gesprächspartner für Russland.

00:10:18: Wir wollen jetzt nicht wieder eine deutsch-russische Sonderrolle spielen.

00:10:21: aber wenn wir Europäer oder sich die E drei Deutschland Frankreich Großbritannien darauf verständigen könnten jemanden mal loszuschicken mit dem Auftrag mit der russischen Seite egal auf welcher Ebene mal zu sondieren ob es vielleicht tatsächlich irgendwo Anknüpfungspunkte gibt, über die man dann ins Gespräch kommen könnte.

00:10:44: Backchannel Diplomacy ist übrigens für denjenigen, die die sechziger-siebziger-, achtzige Jahre nicht aktiv miterlebt haben ein sehr, sehr erfolgreiches Mittel deutscher Ostpolitik.

00:10:58: Wir hätten den Deutsch-Deutschen Vertrag von neuseinhalbzig, dem deutschen sowjetischen Vertrag aus derselben Ära und viele andere Vereinbarungen mit der Sowjetunion nicht hingekriegt, wenn es da nicht einen Geheimemissär namens Egon Bar gegeben hätte.

00:11:14: Der still heimlich und leise auf Bitten seines damaligen Chefs Willy Brandt nach Moskau gefahren ist – und zwar mehrfach hin- und her!

00:11:24: Und am Schluss wurde dann die Öffentlichkeit ein Ergebnis vorgetragen.

00:11:27: Das ist stille Diplomatie so wie ich sie mir eigentlich vorstelle und das könnte eine Möglichkeit sein wie er entweder zutritt oder die ganze Europäische Union, in einer E-Fünfkonfiguration mit Polen und Italien versuchen könnten den Draht mit Moskau aufzunehmen.

00:11:47: Ich bin jedenfalls ganz dezidiert der Meinung dass es nicht richtig sein kann diese Gesprächskanäle selbst wenn sie zurzeit gar nichts bringen ausschließlich den Herrn Kuschner und Wittkoff und dem CIA Chef zu überlassen.

00:12:02: das kann's nicht sein.

00:12:03: Zum Abschluss erischenden letzte Frage, G-twanzig steht auf dem Plan als Nextes.

00:12:08: Der US-Präsident Will Vladimir Putin einladen.

00:12:10: sollte die Bundesregierung das einfach mitmachen und anreisen?

00:12:14: Ja selbstverständlich ja warum denn nicht?

00:12:17: aber ich glaube unsere Regierungschefs wenn sie dann sich da versammeln sollten sich vorher so verabreden dass Sie allesamt In Anwesenheit von Putin nur über ein einziges Tagesordnungsthema reden, nämlich den russischen illegalen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dessen Folgen.

00:12:39: Das wird dem Herrn wenn man ihm das vorher ankündigt möglicherweise gar nicht gut gefallen aber denn des Mieten zu boykottieren würde ich wieder für den falschen diplomatischen Schritt halten hinfahren und ihm das Leben schwer machen.

00:12:52: Das wäre die richtige Methode.

00:12:55: Vielen Dank lieber Herr Schinger für diesen Beitrag an diesem Morgen.

00:12:57: Wir sind gespannt, ob die Bundesregierung auf Sie hört.

00:13:00: Vielen Dank und eine schöne Woche!

00:13:01: Danke Ihnen, danke Herr Beuchert.

00:13:05: Eine Sache, die Wade wohl immer wieder deutlich macht – Die Ukraine muss bei möglichen Verhandlungen mit Russland am Tisch sitzen.

00:13:12: Keine Verhandlung über die Ukraine ohne die Ukraine.

00:13:15: Wie heftig Russland das Land attackiert, zeigt sich in diesen Tagen auch wieder.

00:13:20: Präsident Lodomir Zelensky schrieb bei X dass Russland die Ukraine in den vergangenen Wochen mit mehr als zwei tausend zweihundert Kampftronen große Reichweite angegriffen hat.

00:13:31: Auch mehr als eintausend sechshundertvierzig Kleidbomben und achtunddreißig ballistische Raketen- und Marschflugkörpersein eingesetzt worden.

00:13:39: Während die Großen nun also über die Ukraine reden, kann und sollte man sich auch mal fragen wie geht es eigentlich den Menschen in der Ukraine im mittlerweile fünften Kriegsjahr?

00:13:49: Mein Kollege Viktor Fung vom Security Table war vor Ort und hat sich selbst ein Bild von der Lage gemacht.

00:13:54: Und jetzt ist er hier bei mir um zu berichten!

00:13:57: Lieber Victor schön dass du da bist.

00:13:58: Lieber Nina danke für die Einladung fürs Gespräch.

00:14:01: Victor, du bist erst letzte Bau von deiner dritten Reise in die Ukraine seit Kriegsbeginn zurückgekehrt.

00:14:06: Du warst in Kiew und in Odessa.

00:14:08: Erzähl uns.

00:14:09: wie hast du vor allem den Alltag der Menschen dort wahrgenommen?

00:14:13: Und inwiefern hat er sich vielleicht über diese Jahre jetzt auch verändert?

00:14:16: Also es gibt vielleicht eine gute Nachricht im Vergleich zum letzten Jahr als ich im Frühling dort war und eine sehr sehr deprimierende Stimmung wahrgenommen habe.

00:14:24: Ich glaube der Widerstandswille ist weiterhin da.

00:14:29: Man merkt einfach, dass die Menschen bereit sind weiter für ihr Land zu kämpfen.

00:14:33: Das merkt man nicht nur wenn man mit Militärs und Soldaten spricht sondern das merkt in Kleinigkeiten im Alltag.

00:14:39: Man sieht junge Familien also mit sehr kleinen Kindern.

00:14:43: offensichtlich entscheiden sich Menschen in diesem Land weiter ihr Leben zu leben, Familien zu gründen.

00:14:48: Man sieht Schüler, man sieht viele Studentinnen und Studenten ich war hier gerade da ist das neue Schul- Studiumjahr begonnen hat.

00:14:56: Man sieht einfach, dass die Menschen auch in die Zukunft dieses Landes glauben.

00:15:00: Das ist einerseits.

00:15:01: Andererseits muss man sagen, die Lage... Die Sicherheitslage ist heute für die Zivilistinnen und Zivilisten deutlich schlimmer und schlechter als vor einem Jahr.

00:15:10: Die Zahl der Syrienopfer ist deutlich gestiegen.

00:15:13: Du hast gerade schon diese weitreichenden Drohnen erwähnt.

00:15:17: Und die reichen nicht nur weiß sondern sie sind verdammt schnell.

00:15:20: Russland hat es geschafft!

00:15:21: Diese berühmt gerüchtigten iranischen Tachettdrohnen weiterzuentwickeln.

00:15:26: Es gibt dann zwischen die vierte und fünfte Versionen davon, die inzwischen düsen Jet-Betrieben sind und einfach so schnell sind dass es einfach schwieriger geworden ist sie abzufangen.

00:15:37: nach dem was ich da gehört habe und das was Rosindexperten durch Auszählungen feststellen ist die Abfangkarte von über neunzig Prozent auf etwas über sechzig gefallen.

00:15:47: man merkt an diesen Zahlen, dass einfach deutlich mehr Drohnen durchkommen.

00:15:51: Hast du selbst auch Drohnenangriffe miterlebt?

00:15:54: Man erlebt die eigentlich dauernd.

00:15:55: Also was Drohne-Angriffe betrifft, da muss man sagen ist der Luftalarm permanent nachts tagsüber egal in welcher Region man isst.

00:16:03: ich war im Süden und zentralen Kiew hinzukommen andere Arten von Angriffen das nämlich ballistischer Raketen oder auch Marschluckkörper.

00:16:11: Die Ukraine unterscheidet seit kurzem auch in zwei verschiedenen Warnstufen.

00:16:15: Es gibt einmal die weniger gefährlichen, was natürlich absurde ist.

00:16:19: Das sind die gelbe oder orange Warnstoffe und das sind die Drohnen.

00:16:22: Und dann die wirklich gefährlichen auf die es einfach sehr wenig Antworten gibt.

00:16:27: ja weil es keine Abfangraketen gibt, dass sind die ballistischen Raketen.

00:16:31: Jetzt sieht man vielleicht eine weitere Bedrohung mehr oder weniger noch, weil der Winter vor der Tür steht.

00:16:37: Das könnte für die Bevölkerung auch nochmal die Lage Komplizierter und schwieriger machen.

00:16:41: wir mal an Energie- und Werbeversorgung, denkt.

00:16:43: Das wird es mit Sicherheit bemerkenswerterweise auch da.

00:16:46: die Okaliner lernen einfach aus den vergangenen Winter Und was das jetzt inzwischen gibt ist eine sehr starke Dezentralisierung von Energieversorgungen, wo es geht.

00:16:58: Karina hat einen großen Aufbau an Batteriekapazitäten.

00:17:01: Man investiert in einfach alle möglichen Hipsmittel, ich habe dort auf der Straße Menschen gesehen die mit Isoliermaterial umherlaufen mitten bei Sommertemperaturen.

00:17:11: das bedeutet sie bereiten sich auch etwas vor und das bedeutet natürlich auch letztendlich Sie wollen nicht aufgeben.

00:17:17: gleichzeitig muss man aussagen große Metropolen sind nur bedingt Schützbar.

00:17:23: Wenn Russland es will, kann es zum Beispiel Wasserversorgen zerstören.

00:17:28: und wenn man das in großen Metropolregionen hinkriegt, dann gibt es auf jeden Fall wieder Migrations- und Fluchtbewegungen die es jetzt eh schon gibt weil im Osten in Städten wie Slavernsk oder so etwas die Lage ist.

00:17:39: Wie

00:17:40: reagiert man in der Ukraine darauf dass der deutsche Außenminister sich jetzt mit Lavrov getroffen hat?

00:17:44: Es gibt erstaunlicherweise bisher wenig Reaktionen, also die europäischen Medien berichten recht neutral.

00:17:50: Einfach es ist geschehen und der Außenminister Andréci Bicher hat sich dankbar gezeigt für diese Initiative.

00:17:59: Interessant finde ich dabei dass die russische Seite betont ja das diese Initiative von Deutschland ausgegangen ist.

00:18:07: zugleich muss man sagen er Gespräche gibts nur dann wenn beide beseiten sich darauf einlassen.

00:18:12: Offenbar ist es für Moskau nun doch etwas interessanter geworden mit Europäern zu reden, aber man darf auch nicht allzu viel Hoffnung in sich machen.

00:18:20: Wenn das der Beginn von Gesprächen sein soll dann ist das ein Vorbeginn ja?

00:18:24: Dann reden hier noch lange nicht davon dass die ernsthafte Gespräche stattfinden.

00:18:29: dazu müsste sich auch Europa so ein bisschen konsolidieren.

00:18:32: Moskau weiß, dass die Regierung von Friedrich Merz jetzt auch nicht wahnsinnig stabil ist nach den Landtagswahlen, die wir hatten.

00:18:39: Moskauer weiß das in Frankreich wahrscheinlich eine Regierungsänderung ansteht.

00:18:43: deswegen werden sie erst mal auf Zeit spielen.

00:18:46: Viktor vielen herzlichen Dank für deine Eindrücke aus erster Hand.

00:18:49: sehr gern

00:18:58: Friedrich Merz wollte mit seinem frühen Statement am Tag der Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg vorpommern, die Debatte um seine Person beenden.

00:19:05: Gelungen ist das ehrlicherweise nicht!

00:19:07: Die CDU ist gelindegesagt sehr unruhig dieser Tage.

00:19:10: oder Michael du kriegst natürlich viel mehr mit wie es Inside-CDU tatsächlich aussieht?

00:19:15: Wie nimmst Du die Stimmung in der Partei gerade

00:19:18: wahr?!

00:19:19: Es gibt ein neues Machtzentrum in der CDU, das Friedrich Merz derzeit duldet.

00:19:24: Öffentlich stützt aber sich irgendwie intern auch darauf vorbereitet dass es bei dem nächsten großen inhaltlichen Streit mit der Koalition oder bei öffentlichen Kommunikationspann vielleicht doch noch zu einer Alternative zum März kommen könnte.

00:19:36: Und das sind die acht plus zwei, also die acht Ministerpräsidenten, die es noch gibt und die beiden Landesvorsitzenden Sebastian Lechner und Manuel Hagel.

00:19:43: sie haben sich vergangene Woche getroffen und mehr oder weniger eine Reformagenda abgeklopft Nina mit der Sie Friedrich-März man kann sagen unterstützen wollen oder vor sich her treiben.

00:19:53: beide Interpretationen sind

00:19:55: möglich.".

00:19:56: Da gibt es einige, die haben sich weit vor gewagt mit recht deutlichen Aussagen über März.

00:20:06: Was war da los?

00:20:06: Warum trauen sie sich so was?

00:20:08: Ist sowas vielleicht auch irgendwie inszeniert?

00:20:10: Ja, Johannes Winkel ist der neue starke Mann in der Unionsfraktion.

00:20:13: Er ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Arbeit und Soziales also genau für den Bereich, der jetzt verhandelt wird.

00:20:18: Die SPD will die Pflegereform stoppen.

00:20:21: Die angebliche Einigung wird wieder aufgeschnürt.

00:20:23: Sie wollen ein Deckel für die Eigenbeteiligung für Menschen, deren Angehörige in Pflegeheime eingeliefert werden müssen Und das ist eigentlich nicht so besprochen worden in der Koalition.

00:20:33: Also da geht es richtig zur Sache schon wieder.

00:20:35: und dieser Johannes Winkel, Vorsitzende der Jungen Union hat auch noch ein anderes Motiv nämlich in wenigen Wochen ist der Deutschlandtag der Jung-Union.

00:20:41: Das ist das große Treffen dieser mit knapp hunderttausend Mitgliedern stärksten Jugendorganisationen politischen Jugendorganizationen in Deutschland und der profiliert sich indem er ziemlich deutlich sagt Parteien, die sich nicht verändern sterben.

00:20:54: Ganz einfach!

00:20:55: So hat er es im Podcast bei Paul Ronsheimer gesagt und das ist schon eine deutliche Ansage auch an den Kanzler dass es so nicht weitergehen kann.

00:21:01: Parteien ,die sich nicht verändert

00:21:03: sterben

00:21:04: ganz einfach.

00:21:05: Es gibt so ne

00:21:06: komische Erwartungshaltung

00:21:09: oder so ein komisches Selbstverständnis

00:21:11: der CDU und der SPD

00:21:12: Das ich nur historisch erklären lässt weil

00:21:14: sich seit achtzig Jahren die CDU und die SPD

00:21:17: im Kanzlamt abwechseln

00:21:19: glaube ich dass viele denken das geht ewig soweit.

00:21:21: Also es ist so ein ganz tiefsitzendes Selbstverständnis,

00:21:25: aber das stimmt halt einfach

00:21:26: nicht.

00:21:27: Es gibt

00:21:27: keine Ewigkeitsgarantie

00:21:28: für die Volkspartei in CDU

00:21:30: und SPD

00:21:30: im Grundgesetz – selbst wenn's die letzten

00:21:32: achtzig Jahre mit vielen Krisen so war!

00:21:34: Das gibts einfach

00:21:35: nicht!".

00:21:36: Wie gefährlich sind solche Äußerungen tatsächlich für den Kanzler?

00:21:39: Wenn sich jetzt einer wieder Winkel da soweit rauswagt, will der sich einfach nur profilieren oder kann dass dem Kanzl auch tatsächlich schaden?

00:21:45: Ja, das ist entscheidend, wenn die Junge Union nämlich jetzt Leitanträge auf ihrem Deutschlandtag beschließt, die eigentlich der Kanzler so nicht will oder die ihm seine Regierungsarbeit erschweren.

00:21:55: Ihnen irgendeine Richtung drängen?

00:21:56: Ich denke zum Beispiel an die Rente mit vielen Sechzig deren Auslaufen Friedrich Merz ja beschlossen hat.

00:22:02: Nun rudert er teilweise wieder zurück.

00:22:03: also die Junge Union kann Kanzlern auch stürzen indem sie sich inhaltlich so sehr unter Druck setzt dass es sich daraus gar nicht befreien können.

00:22:11: Aber natürlich kann der Deutschlandtag auch sagen, wir sind die Reform Pretorianer gerade für dich lieber Friedrich Merz und wie helfen dir die SPD unter Druck zu setzen?

00:22:20: Es kommt eben drauf an wie Friedrich Merts diese Äußerungen nutzt.

00:22:23: jedenfalls sind sie ein Wahnsignal.

00:22:24: Wenn da so viel los ist.

00:22:25: in der CDU würde ich mir vorstellen es das eigentlich immer sehr gut für die anderen Parteien weil dann haben die so ein bisschen Freiraum ihre Dinge zu machen wenn die CDU mit sich selbst beschäftigt ist.

00:22:35: was ist denn derzeit bei den Grünen beispielsweise los?

00:22:38: Ja, recht stabil muss ich sagen.

00:22:39: Die Wahlen waren jetzt nicht großartig in Mecklenburg-Vorpommern in Berlin aber sie sind das Zündlein an der Waage.

00:22:45: Sie sind die Königsmacher und die Vorsitzenden Franziska Branden und Felix Banaschak sind sehr präsent weil es eben auf sie ankommt.

00:22:51: Sie versuchen ihre Partei neu zu definieren pragmatischer reformorientierter mittelfähiger und schielen vielleicht auch auf ein schwarzgrünes Bündnis für den Parteitag im Dezember.

00:23:06: in Berlin ihn indiquere, Nina?

00:23:09: Weil wenn sie dort eine sehr schwierige Linkspartei unterstützen könnte das ihren Mitte-Kurs im Bund natürlich gefährden.

00:23:16: Die Grünen Vorsitzenden Franziska Brandner und Felix Banatag haben aber jedenfalls gesagt Sie wollen weiter an der Spitze der Partei bleiben getrennt voneinander, aber zeigt gleich haben beide gemitgeteilt dass sie auf dem Parteitag Anfang Dezember für eine zweite Amtszeit

00:23:30: kandidieren Und sie haben gute Chancen, auch von der Basis gewählt zu werden.

00:23:34: Im ZDF-Politbarometer kommen die Grünen in den letzten Umfragen auf Bundesweit und liegen damit stabil über der SPD und können diese strategische Positionierung mittelinks für sich beanspruchen.

00:23:47: Man darf gespannt sein mit welchem inhaltlichen Reformplan oder Konzept sich die beiden dann an der Spitze behaupten wollen.

00:24:00: Nina

00:24:00: war noch was?

00:24:01: Ja, ich bin gespannt auf morgen.

00:24:03: Denn da wird die beste deutsche Schule ausgezeichnet.

00:24:05: Der Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich übergibt den deutschen Schulpreis an eine von fünfzehn Schulen, die es ins Finale geschafft haben.

00:24:12: Welche Schulen sind denn so dabei?

00:24:13: Was weiß man schon?

00:24:15: Also man weiß auf jeden Fall dass das nicht fancy Privatschulen sind sondern das sind Schulen aus dem breiten Spektrum, die's da gibt.

00:24:21: Da ist beispielsweise die Stadtteilschule in Wilhelmsburg und Hamburg dabei Bei Laibe nicht Eppendorf, sondern ein Stadtteil mit mehr Herausforderungen.

00:24:29: Es gibt die staatliche Grundschule in Tanroda und Bad Berka in Thüringen, die nominiert ist oder die Friedrich von Bodelschwing-Schule eine Förderschule Nordrhein-Westfalen.

00:24:37: also wie gesagt mein bunter Ausfall von Schulen, die es in Deutschland so gibt.

00:24:41: Nun bist du selber ja Mama Nina erzähl mir was sind denn deine Gedanken für eine ideale Schule?

00:24:46: Ganz klassisch!

00:24:46: Ich habe bei der Wahl der Schule von unseren Kindern auch an meine eigene Schulzeit gedacht.

00:24:50: ich bin auf einer Bayerische Klosterschule gegangen und hat meine Schulzeit in sehr guter ist.

00:24:54: Das merkt

00:24:55: man immer noch, Nina!

00:24:57: Und das genau so hatte ich mir das für meine Kinder auch gewünscht also etwas sehr behühltete es wäre weniger ein bisschen auch abgeschottet noch von den Problemen der Welt mit denen sie später konfrontiert werden.

00:25:06: sowas ähnliches haben wir dann hier auch gefunden und ich finde dass tut dem gut in einem Umfeld zu lernen wo man sich eben sehr auf das Lernen und das Schüler sein fokussieren kann.

00:25:15: Ja, das klingt gut.

00:25:16: Ich bin ja erstmal der Meinung, sie sollten auch aussehen wie Kathedralen in der Zukunft und nicht wie runsige ehemalige Gewerbe halten so wie ich es hier in Berlin jedenfalls öfter sehe.

00:25:24: Ich finde es wirklich irre.

00:25:25: Ich habe testweise mal mir die Waschräume- und Toiletten der Schule meiner Kinder angeguckt.

00:25:30: Es ist wirklich... man will da eigentlich nicht rein Aber das ist nur das Optische.

00:25:32: Trotzdem find' ich, gehört's dazu helle zukunftsorientierte Konzepte und Schulen, in denen man gerne geht Die fangen oft eben mit der Architektur und der Optik an.

00:25:40: Und dann braucht's vor allem, finde ich einfach gute Leute, die man machen lässt.

00:25:44: Es gibt so tolle Lehrer und Direktoren, die so viel machen wollen.

00:25:47: Wenn sie nicht voller Bürokratie- und Vorgaben von Bezirken oder von Ländern gegängelt würden... Also ich würde mir einfach München mehr Verantwortung in die Lehrkräfte und in die Schulleitung wissen schon was gut ist für die Kinder.

00:26:00: Und dafür sollte man Lehrerinnen und Lehrer auch öfter mal feiern!

00:26:02: Weil was die machen ist ein ganz schöner Knochenjob, für den ich ganz, ganz viel Hochordnung habe.

00:26:06: Grüße gehen raus an meine Schwestern, die beide Lehrer sind.

00:26:10: Das war's von uns, kommen Sie gut durch die Woche

00:26:12: Bis dahin, tschau, tchau.

00:26:14: Table Today

00:26:16: Der Inscheider

00:26:17: Podcast

00:26:17: von Table Briefings.

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