Made in Germany – noch ein Erfolgsmodell?
Shownotes
Carsten Thoma, Präsident des Softwareunternehmens Celonis, hält die Investitionsinitiative Made for Germany für mehr als eine Show. Den Entwicklungsstandort München hat sie aus seiner Sicht gestärkt: „Ich glaube nicht, dass wir so stabil geblieben wären am Anfang und es auch nicht so gesteigert hätten im letzten Jahr, wenn es die Initiative nicht gegeben hätte.“ [05:52]
Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, sieht die öffentliche Hand im Umgang mit Steuergeld keinen Schritt weiter. Im neuen Schwarzbuch stehen beispielsweise fünf Bäume für hunderttausend Euro und eine Toilette, die an sechs Tagen im Jahr gebraucht wird. Schuld ist aus seiner Sicht die Mischfinanzierung: „Wir haben sehr viel Geld in den staatlichen Kanälen, aber keiner überwacht, was damit tatsächlich am Ende wirklich gemacht wird.“ [09:11]
Das Kabinett hat die Pflegereform beschlossen und Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) damit seinen ersten Erfolg verschafft. Kinderlose zahlen künftig einen höheren Zuschlag, Spitzenverdiener weniger, als die SPD es wollte. Die große Reform will Linnemann erst nach Ostern durchs Parlament bringen – wer künftig überhaupt Leistungen bekommt, ist bis dahin offen. [01:08]
Neun von zehn Haushalten haben in diesem Jahr Fleisch oder Geflügel gegessen, meldet die Deutsche Presse-Agentur zum Welttag der Vegetarier. Der Markt für Ersatzprodukte wächst trotzdem – ein gutes Drittel der Haushalte hat zugegriffen, so viele wie seit Jahren nicht. [22:38]
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Transkript anzeigen
00:00:02: Table Today,
00:00:04: der Inscheider-Podcast von Table Briefings.
00:00:10: Nun also doch das Bundeskabinat hat gestern die Pflegereform beschlossen und damit Carsten Linnemann dem neuen Gesundheitsminister seinen ersten Erfolg organisiert.
00:00:19: Kinderlose und Spitzenverdiener sollen jetzt drauf zahlen – wir sagen ihnen was noch drinsteckt im Paket!
00:00:24: Was ist zu tun um den Wirtschaftsstandort Deutschland attraktiver zu machen?
00:00:28: Die Initiative Made for Germany mit knapp einhundfünfzig Unternehmen hat sich vor einem Jahr zusammengeschlossen, um den Standort zu stärken und mehr ins Land zu investieren.
00:00:38: Gestern war Zwischenbilanz und unser Kollege Alex Wiedmann spricht bei dem Zylones CEO.
00:00:52: oder ein Regierungsflughafen für zwei Komma vier Milliarden Euro statt?
00:00:56: Ursprünglich mal geplant, dreihundertvierzig Millionen Euro.
00:00:59: Das sind nur einige Beispiele aus dem neuen Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes.
00:01:03: Es sind fragwürdige Beispiele für öffentliche Steuerverschwendung.
00:01:07: Wir sprechen mit den Präsidenten des Bundes der Steuerzahlerei nach Holzneuge
00:01:10: Und dann blicken wir auch noch auf die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen.
00:01:14: Heute ist Donnerstag, der erst Oktober liegen wir los.
00:01:22: Lange wurde wieder einmal diskutiert in der Bundesregierung, liebe Nina.
00:01:24: Und jetzt haben sie sich doch wieder mal zusammengerauft.
00:01:27: Gesundheitsminister Lindemann hat gestern die Kompromisse zur Pflegereform vorgestellt.
00:01:33: von allem wieder mal ein bisschen würde ich sagen.
00:01:35: Ja wenn man sich anschaut was genau drin steht vor allem das hier ab dem ersten Januar zwanzig siebenundzwanzig soll der Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder der Pflegeversicherung steigen und zwar um null Komma drei Punkte auf Null Komma neun Prozent.
00:01:49: Der allgemeine Beitragssatz soll bei drei Prozent stabil bleiben.
00:01:53: Die Beitragsbemessungskänze wird nicht wie vorgesehen um tausend Euro erhöht, sondern lediglich um dreihundert Euro.
00:02:00: Einen klassischer Kompromiss zwischen schwarz und rot.
00:02:02: die Spitzenverdiener zahlen drauf aber nicht so viel wie die SPD es gerne gehabt hätte.
00:02:06: auf die Kinder losen konnte man sich wohl sehr einigen.
00:02:09: naja Und jetzt immerhin ist das Defizit dass ja Mit acht Milliarden Euro beziffert wurde in diesem kommenden Jahr zumindest teilweise abgefedert.
00:02:19: Man muss auf die Details noch achten, aber Kassenlinnemann war zufrieden.
00:02:23: Hören wir mal rein was er gesagt hat?
00:02:25: Ich bin
00:02:25: froh dass wir heute diesen Schritt diesen ersten wichtigen Schritt gegangen sind zur Stabilisierung des Pflegesystems.
00:02:32: Wir brauchen Verlässlichkeit für die zu pflegenden Menschen in Deutschland und vieler Angehörigen.
00:02:37: das System steht massiv finanziell unter Druck.
00:02:41: eine Verdreifwachung Sehen wir, der zu pflegenden in Deutschland heute rund sechs Millionen.
00:02:48: vor zwanzig Jahren waren es noch zwei Millionen.
00:02:52: Die richtige Arbeit allerdings die kommt erst im Oktober und soll dann bis Februar angehen.
00:02:57: da sollen nämlich dann Vorschläge gemacht werden.
00:02:59: nach Ostern will Lille man dann die richtige große Reform durch das Parlament bringen
00:03:03: Und dann wird es vor allem um die Pflegegrade geben.
00:03:05: Also wer kriegt überhaupt Unterstützung?
00:03:08: Die Debatte wird sicherlich nochmal zurückkommen, ob die Pflegestufe eins ersatzlos gestrichen wird.
00:03:12: auch das war ja mal ein Vorschlag in dieser Koalition.
00:03:15: also die richtig schmerzhaften Brocken sind.
00:03:17: vertagt aufs nächste Jahr ist das vielleicht hier auch ganz gut so angesichts der Fragilität dieser Koalition.
00:03:22: gerade
00:03:29: Ich freue mich dass wir zusammen das Einjährige bestehen der Initiative Made for Germany.
00:03:37: Wir können es wirklich feiern, denn das ist ein großer Erfolg.
00:03:41: Man kann es einfach so sagen hier in diesem Raum sitzt Zuversicht, Optimismus und Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland.
00:03:50: Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen
00:03:53: allen bedanken.
00:03:54: Erinnern Sie sich noch an die Initiative Made for Germany?
00:03:57: Die ist vor gut einem Jahr mit einem ziemlichen Wumms gestartet.
00:04:01: Einundsechzig Unternehmen unter anderem so Deutsche Bank, Siemens, SAP haben sich da ganz fest und unbedingt committed, achthundert Milliarden Euro in Deutschland zu investieren – das alles mit dem herren Ziel die Investitionsbedingungen und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu
00:04:16: verbessern.".
00:04:17: Ja, vor allem bleibt im Kopf noch das etwas peinliche Foto mit vierzig Männern und zwei Frauen.
00:04:22: Wovon eine die Ministerin Katharina Reiche war?
00:04:24: Das ist auch nicht viel besser geworden aber immerhin aus den Sechzig Unternehmen sind hundertvierzig geworden Und die haben gestern sich zu einer ersten Zwischenbilanz getroffen und immerhin achthundert Milliarden Euro insgesamt in Aussicht gestellt Die bis zum Jahr zwanzig in Deutschland investiert werden sollen.
00:04:41: der Kanzler zeigte sich zufrieden Aber auch gekommen mit seinem Vizelaas-Klingball.
00:04:45: hören wir mal rein was Friedrich mehr.
00:04:47: Wir sind, das sage ich ganz offen und ehrlich noch nicht da wo wir in der Bundesregierung sein wollten zum jetzigen Zeitpunkt im Herbst.
00:04:57: Aber wir haben einiges auf den Weg gebracht und dass Sie dabei bleiben, dass sich diese Initiative so gut entwickelt, dass Made for Germany wirklich eine Marke geworden ist.
00:05:05: Das ist ein starkes Signal, das auch mir persönlich Mut macht.
00:05:09: Meine Damen und Herren, die Investitionszusagen sind nicht nur von volkswirtschaftlicher und strategischer Bedeutung für den Standort Deutschland.
00:05:17: Sie senden auch ein wichtiges... Signal an die Menschen in unserem Land.
00:05:22: Ein Signal an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass die Wirtschaft in die Verantwortung geht, dass sie bereit ist am Standort Deutschland zu investieren und einfach die Botschaft auch an die jungen Menschen in Deutschland zu geben es lohnt sich in Deutschland.
00:05:36: ein Problem das diese ganze Initiative auch von Anfang an so ein bisschen mit sich rumschleppt ist dass das alles auch den Hauch einer großen Show hat weil viele dieser Investitionen die die Unternehmen da jetzt planen schon lange in deren Büch standen.
00:05:49: und das sind auch nicht Dinge, die sich jetzt ausgedacht haben um Deutschland voranzubringen sondern die sie für sich schon lange vorher hatten.
00:05:54: Ja einer der Unternehmer der gestern dabei war ist der Präsident von Ceylonis einem Software Anbieter.
00:05:59: er heißt Carsten Thoma und wir wollten von ihm mal wissen was diese Initiative wirklich bewirkt und vor allem wo und warum Ceylones in Deutschland investiert.
00:06:07: Alex Wiedmann hat mit ihm gesprochen.
00:06:09: Herr Thoma War die Initiative Made for Germany nur eine große Show oder hat sie auch tatsächlich für ihr Unternehmen was bewirkte?
00:06:17: Eine große Show muss ja nichts Schlechtes sein, grundsätzlich wenn sie was bewirkt im Nachgang.
00:06:22: Deshalb bei uns im Unternehmen ist schon so dass wir das Commitment was wir abgegeben haben, das tracken wir.
00:06:28: Wir wissen auch wenn sich irgendwas ändert dem Commitement und wir versuchen dann schon am Standort das zu kompensieren.
00:06:35: deswegen ist da schon eine Verbindlichkeit Expansions- und Globalisierungstrangen, die man ja vor allem im Tech Bereich auch bei uns immer hat aber auch in anderen Unternehmen das Bewusstsein zu schaffen für den Standort.
00:06:47: Und noch dazu investieren halte ich schon für extrem wichtig und dafür finde ich die Initiative pragmatisch und impactful.
00:06:53: auch her.
00:06:54: Impactvoll!
00:06:55: Sie haben hundert Millionen Euro Investitionen in München angekündigt.
00:06:59: Hand aufs Herz hätten sie die auch ohne die Initiative getätigt?
00:07:03: Wir haben Alternativstandorte vor allem auch für Entwicklung.
00:07:06: Ich glaube nicht, dass wir so stabil geblieben werden am Anfang und es auch nicht so gesteigert hätten im letzten Jahr wenn es die Initiative nicht gegeben hätte.
00:07:14: Dadurch das wir sowohl in Indien wie auch in USA Entwicklungsstandorte haben – und auch in Kosovo übrigens – haben wir mal Ausweichmöglichkeiten.
00:07:21: aber der München Entwicklungsstandort ist stärker als es in den letzten Jahren war.
00:07:26: Das hat schon geholfen definitiv!
00:07:28: Und haben Sie weitere Investitionen in Deutschland in Aussicht?
00:07:32: Wir glauben, dass München weiterhin ein attraktiver Standort bleibt.
00:07:36: Das kann ich momentan nicht quantifizieren.
00:07:38: Aber wir sind wirklich optimistisch, wir kriegen sehr gute Salenta.
00:07:42: die Universität entwickelt sich auch stetig weiter wird auch gut gefördert.
00:07:46: das TUM-Programm ist exzellent.
00:07:48: also wir sind komfortabel.
00:07:50: andere große Standorte die wir haben Madrid zum Beispiel entwickelt sich kostenmäßig und auch von der Einfachheit wie man Talent einstellen kann auch nicht in eine bessere Richtung.
00:08:01: deswegen glauben wir an den Standort München auch langfristig.
00:08:04: Sie haben heute auch mit dem Bundeskanzler gesprochen, was ist die eine Botschaft, die sie vom Austausch mit dem Kanzler mitnehmen?
00:08:11: Man weiß wirklich worauf es ankommt.
00:08:14: Die Komplexität hat er auch klar durchlauten lassen – ist in Umsetzbarkeit und dass alle mitziehen müssen.
00:08:20: Und ich glaube das Mitziehen müssen anhand von einer klaren Zielsetzung ist wahrscheinlich immer die Crux im Unternehmen wie auch im Land und in der Regierung.
00:08:29: Und ja kann nur viel Glück wünschen weil die Prioritäten und die Klarheiten eigentlich da sind
00:08:34: Und ziehen alle mit, sind sie optimistisch?
00:08:36: Dass Deutschland wieder aufwärts geht und wird tatsächlich
00:08:40: wachsen.
00:08:40: Wir haben langfristig genug Potenzial und genug Talent und genug Wissen über gewisse Dinge die auch künftig wichtig sein werden dass Deutschland konkurrenzfähig bleiben kann und damit auch wachsen kann.
00:08:53: Wie schnell und wie unkompliziertes kurz- mittelfristig umsetzbar ist, kann ich nicht beurteilen.
00:08:59: da waren die letzten Wochen nicht
00:09:02: immer.
00:09:03: Das ist so vertrauensbildend.
00:09:04: Aber ich bin kurzsätzlich ein Optimist und schaue positiv in die
00:09:08: Zukunft.".
00:09:24: die rund neun Komma zwei Millionen Euro gekostet hat, vollständig vom Bund finanziert.
00:09:41: Oder fünf Bäume in Neuansbach für hunderttausend Euro?
00:09:45: Oder wie wär's mit einem neuen Natursohle-Freibad für rund sechs Millionen Euro im Bad Gandersheim?
00:09:52: oder eine Toilette, die nur sechs Tage im Jahr gebraucht wird Eine Anlage für mehrere Toiletten, die ungefähr dreihundertsechzigtausend Euro im hessischen
00:10:01: Hadamage
00:10:02: kostet haben.
00:10:03: Und so weiter und sofort!
00:10:04: Was ist da los?
00:10:05: Warum
00:10:05: kann die öffentliche
00:10:06: Hand das Geld anderer Leute nicht effizienter ausgeben?
00:10:09: Muss das wirklich alles sein?
00:10:10: Fragen wir denen der dieses Buch heraus gibt dem Präsidenten des Steuerzahlerbundes Rainer Holznagel und reden mit ihm vor allem auch über ein ziemlich teures Flughafenprojekt dass der Bund sich überlegt hat.
00:10:21: Schön, dass Sie heute im Studio sind.
00:10:22: Guten Tag Herr Holznagel.
00:10:23: Guten Tag!
00:10:24: Ich grüße Sie.
00:10:25: An diesem Donnerstag wird wieder einmal das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes vorgestellt, geben Sie mal eine generelle Einschätzung ab.
00:10:31: geht der Bund oder die öffentliche Hand inzwischen ein bisschen besser mit dem Geld um?
00:10:35: Oder ist es jedes Jahr immer nur noch ein Buch zum Ärgern?
00:10:38: Also die erste Antwort ist nein er geht nicht besser mit im Geld um.
00:10:42: und ja es ist ein Buch zu ärgern.
00:10:43: ich sage es hat ja so ein bisschen auch medizinischen Charakter.
00:10:46: wenn man niedrigen Blutdruck hat, dann sollte man es lesen.
00:10:50: Dann kann man sozusagen auch auf Medikamente verzichten.
00:10:52: Nein aber Spaß beiseite!
00:10:53: Es ist schon wirklich wie das Skurril und es zeichnet sich ab dass immer wieder ein gleiches Problem auftaucht nämlich unter dem Namen Mischfinanzierung
00:11:01: Und erklären Sie das mal unseren zu hören
00:11:03: Ein Projekt, was sicherlich gut ist wird durch mehrere Instanzen gefördert.
00:11:08: Der Bund gibt Geld das Land gibt Geld die Kommune muss Geld aufbringen und am Ende haben wir eine Kette von Verantwortungslosigkeit organisiert.
00:11:15: keiner war es gewesen.
00:11:16: Die Projekte fallen völlig aus dem Kostenrahmen Und am ende wird vielleicht sogar noch das gebaut was man eigentlich gar nicht wollte.
00:11:22: und da sind viele Beispiele im Schwarzbuch.
00:11:25: Ich nehme mal nur zwei, drei damit unsere Zuhörer verstehen um was es hier geht.
00:11:29: Es sind immer alles kleine Einzelfälle, keine großen riesigen Summen.
00:11:34: aber man fragt sich schon warum das in der öffentliche Hand passiert.
00:11:36: ein Fünfzig Meter langer Holzsteg im Mannheim Neun, zwei Millionen Euro vollständig vom Bund finanziert.
00:11:44: Man glaubt das nicht!
00:11:45: Das ist ein ganz schönes Beispiel dafür, dass es eine Holzbrücke die architektonisch sehr wertvoll ist.
00:11:51: und das Problem ist, dass der Auftraggeber nämlich die Stadt Mannheim das selber gar nicht bezahlen muss.
00:11:55: Das wird hundert Prozent vom Bund bezahlt.
00:11:57: Tja... Und wenn ich jetzt die Hörerinnen und Hörereinlade morgen Treffpunkt Ikea, neunzig Prozent auf meinen Deckel, da wird der ein oder andere Stuhl dabei sein den man nicht braucht.
00:12:05: Neuansbach.
00:12:06: Fünf Bäume, hunderttausend
00:12:08: Euro!
00:12:08: Auch
00:12:08: hier ein schönes Beispiel dafür was Fördermittel alles so mit sich machen lassen.
00:12:12: weil eben hier eine Deadline war für den Fördernittelantrag hat man mal eben schnell diese Bäume gepflanzt und pro Baum tatsächlich zwanzigtausende Euro ausgegeben.
00:12:22: andere Kommunen würden da vielleicht zwischen fünfhundert Sechs-hundert Bäume pflanzen.
00:12:27: Das ist aber doch wirklich irre, lieber Herr Holznagel!
00:12:29: Hardermar, wo auch immer das liegt?
00:12:31: Eine Toilette für sechs Tage im Jahr?
00:12:33: Man muss zusagen da findet immer ein Feststart auf den Wiesen und da braucht man denn natürlich auch eine Toilete.
00:12:39: Und weil hier auch Fördermittel gewunken haben hat man da richtig groß geplant und diese Toiletten wird dann tatsächlich sechs Tage Im jahr genutzt.
00:12:47: Ja, immerhin.
00:12:48: Aber das Geld anderer Leute gibt sich eben bekanntlicher einfacher aus.
00:12:51: was ist denn das Strukturproblem?
00:12:53: Das methodische Grundproblem dass die Gelder nicht überwacht werden, dass es kein Controlling gibt oder Monitoring.
00:13:00: Wir haben das auf Bundesebene erlebt als ein großes Sondervermögen beschlossen worden mit fünfhundert Milliarden Euro.
00:13:06: Die Überschriften stimmen und auch mehr Geld für Investitionen Infrastruktur Bildung alles ist dabei.
00:13:12: alle fühlen sich auf der richtigen Seite doch wie umsetzen Und wir haben in Deutschland über zwei Tausend Fünfhundert Förderprogramme.
00:13:19: Wenn ich international unterwegs bin, dann muss sich immer den Begriff Förderlotsen übersetzen.
00:13:24: Das kennt keiner von meinen Kollegen im USA oder in Großbritannien?
00:13:28: Es gibt ganze
00:13:28: Kanzleien die sich darauf spezialisiert
00:13:30: haben!
00:13:30: So ist es und das macht glaube ich das Problem deutlich.
00:13:33: Wir haben sehr viel Geld in den staatlichen Kanälen aber keiner überwacht was damit tatsächlich am Ende wirklich gemacht wird.
00:13:41: Es gibt Doppelstrukturen, Doppelförderungen... Wir haben beispielsweise Müllwagen, die mit Wasserstoff jetzt fahren.
00:13:49: Das hat sieben Millionen Euro gekostet.
00:13:50: allerdings fehlt die Tankstelle dafür oder es gibt eine Tankstell dafür.
00:13:55: aber da dürfen denn nur Busse betankt werden.
00:13:57: und das sind immer wieder Skurrile Gegebenheiten, wo man sich einen Kopf fragt und feststellt gut gemeint aber schlecht gemacht.
00:14:04: Gehen wir mal nur auf die Bundesebene, auf die Bundesmittel.
00:14:07: welche Institutionen, welche Wächterstelle könnte man denn implementieren damit es vielleicht von Anfang an schon effizienter eingesetzt wird
00:14:15: das öffentliche Geld?
00:14:16: Ich
00:14:16: finde schon dass der Bundesfinanzminister hier eine herausgeordnete Rolle hat Und er müsste viel mehr darauf achten, dass das Geld knapper gehalten wird.
00:14:24: Denn das ist das große Problem!
00:14:26: Man muss ja vor dem Hintergrund des Wehklagens, dass die Kassen leer sind immer wieder feststellen... Tausend Milliarden Euro Steuereinnahmen gesamtstaatlich.
00:14:34: Dann haben wir die höchste Verschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik, also es gab noch nie so viel Geld wie in diesen Tagen.
00:14:40: aber trotzdem jammern alle und wenn man einen Blick ins Schwarzbuch wirft dann wird man feststellen auch der Bundespräsident zieht für fast eine Milliarde Euro um.
00:14:47: Wenn man Regierungsflughafen, der so teuer wird wie nie zuvor Auch das Bundeskanzleramt wird irgendwann mal die größte Regierungssentrale der Welt werden.
00:14:54: Also man sieht In der Analyse fängt der Bund selbst gar nicht bei sich an Und da muss man sich nicht wundern dass keiner mitmacht beim Spar Vorschlägen oder Sparanstrengungen.
00:15:03: Aber die schwarz-rote Koalition hat doch versprochen, dass sie Personalabbau zwei Prozent pro Jahr.
00:15:07: ist das nicht schon
00:15:08: teilweise erfolgt?
00:15:09: Ich glaube da sind Sie schon ein bisschen in der Tradition des Wahlkampfes.
00:15:12: es gab auch eine Partei die versprochen hat die Schuldenbremse einzuhalten.
00:15:15: genau das Gegenteil hat sie gemacht und wir sehen's jetzt auch bei den Personalausgaben um Personaleinstellung.
00:15:20: nicht die acht Prozent sparen werden realisiert sondern die acht Prozent plus werden realisiert.
00:15:27: Wir haben so viel angestellt und Beamte im staatlichen Bereich wie noch nie zuvor über in der Bundesverwaltung.
00:15:33: In der Kern-Bundesverwaltung über dreißigtausend, dementsprechend sind die Personalkosten gestiegen.
00:15:39: auch die sächlichen Kosten also Büroräume Ausstattung das hängt ja alles miteinander zusammen.
00:15:44: selbst der Bundestag ist um Hundert Abgeordnete kleiner geworden aber die Kosten sind gestiegen.
00:15:49: wie geht es
00:15:50: Indem man immer mehr Geld ausgibt, jetzt die Bundestagsabgeordneten einen Raum mehr zur Verfügung haben das Sachleistungskonto aufgestockt worden ist und so weiter.
00:15:57: Wir können an allen Ecken und Stellen sehen es wird immer drauf gesattelt mit guten Begründungen aber es will nicht wirklich jemand sparen.
00:16:03: wir müssen
00:16:04: über ein Thema reden der Holzhänge dass sie gerade nur gestreift hat dass ich gar nicht glauben kann.
00:16:08: zwei Komma fünf Milliarden Euro wird ein Flughafen kosten der nur für die Regierungsflieger da ist also der ja am existierenden Flughafen BER nur angedockt ist.
00:16:18: Eigentlich gar kein eigener Flughafemis, dafür würden man in China noch wahrscheinlich drei eigene Flughäfen bauen?
00:16:23: Wahrscheinlich noch mit funktionierenden Systemen aber echt Spaß beiseite.
00:16:26: also als erstes muss man dazu sagen dass die Flugbereitschaft endlich von Köln nach Berlin verlegt wird.
00:16:31: es ja schon skurril das sozusagen die Flugtaxis der Politiker gar nicht im berlin stehen sondern in köln.
00:16:36: aber das eine andere Sache.
00:16:38: Und jetzt, ja da klotzt man richtig.
00:16:40: Das sind siebenundfünfzig Hektar für fünfzehn Flugsäuge drei Hubschraubererplätze, sechsundzwanzig Abstellpositionen ein eigenes Gebäude Unterbringung des Battalions was sozusagen Staatsgäste begrüßt und so weiter und sofort.
00:16:53: wir haben über einen tausend Dienstposten die dann dort beheimatet werden.
00:16:57: also Die Bundesregierung kann schon groß und beim Ausgabenvolumen sehen wir das.
00:17:02: Und ich glaube nicht, dass hier wirklich gespart wird oder dass man maß hält.
00:17:07: Das ist das Thema.
00:17:09: Hier ist eine gewisse Eigendynamik da, dass jeder noch einen Wünschen hat den er natürlich auch formuliert der aufgenommen wird.
00:17:15: und dementsprechend haben wir ein Milliardenprojekt.
00:17:18: Und lieber Brücker, es ist ja nur so dass das eine Sollzahl ist.
00:17:21: Wenn wir die Kostenscheidigung des Berliner Flughafens, des regulären Berliner Flughafen nehmt... Das waren mal zwei Milliarden und rausgekommen sind fast acht Milliarden!
00:17:30: Also ich fürchte, dass der Regierungsterminal uns noch weiterhin beschäftigen wird.
00:17:35: Wir reden
00:17:35: über einen Terminal für Regierungsflugzeuge, der ja so teuer sein soll wie der Berliner flugwaffen ursprünglich insgesamt.
00:17:42: Ja, so kann man's auch aussprechen Das ist ja die Frage, da findet statt das dort tatsächlich natürlich internationale Gäste empfangen werden.
00:17:53: Viel Promporium dass dort Politiker abfliegen, dass die Flugbereitschaft endlich dort auch installiert ist was völlig okay ist.
00:18:01: aber so ein bisschen Maß und Mitte sind da völlig aus den Augen verloren.
00:18:04: Ja wer stoppt die eigentlich?
00:18:05: doch auch ein Bundesrechnungshof, oder?
00:18:07: Na ja der guckt auch dort kritisch hin und sagt... Aber immer
00:18:10: nur danach?
00:18:10: ne.
00:18:11: Ja er begleitet teilweise die Projekte aber er guckt dann natürlich auch kritisch in.
00:18:15: Beispielsweise hat der Bundesrehnungssuch auch sehr interessante Vorschläge zum Erweiterungsbau des Bundeskanzleramtes gemacht.
00:18:22: Das wird dann auch zur Kenntnis genommen.
00:18:24: Der Haushaltsausschuss sieht sich das auch kritisch an und das ist glaube ich auch so ein Strukturproblem, dass wir nicht einen haben der sagt Schluss jetzt sondern es sind immer sehr viele Beteiligten dabei.
00:18:35: selbst das Land Berlin redet bei Bundesbauten mit.
00:18:38: da geht's auch um Denkmalschutz natürlich auch der Datenschutz Und natürlich, und das ist überall immer unser Problem Sicherheitsauflagen.
00:18:45: Um am Ende auch Umweltauflagen.
00:18:47: Deswegen haben wir im Schwarzbuch wieder mal Fledermäuse.
00:18:51: Es gibt noch Panda-Bären und am Ende beschäftigen wir uns mit Kaisers Dackel.
00:18:55: also Sie sehen das Portfolio ist breit angelegt.
00:18:58: Aber Herr Holzenagel, Sie legen das jedes Jahr vor.
00:19:00: Dann empören wir uns alle irgendwie zwei drei Tage und dann wird das Ding wieder weggelegt in die unterste Schublade der Bundesbehörden.
00:19:06: Wir brauchen doch mal eine grundsätzliche Debatte darüber wie in knappen Zeiten Öffentlich-Geld sinnvoll ausgegeben werden kann.
00:19:12: Sie sind ja ein einsamer Ruf haben.
00:19:14: muss man irgendwas systematisch in den Strukturen der Institution verändern?
00:19:18: Also ich bin stolz darauf dass das Kapitel Verschwendung verhindert, größer wird und das es da auch gute Fälle gibt.
00:19:25: Deswegen ist es nicht so dass es in der Schublade verschwindet.
00:19:28: Es macht auch etwas mit Entscheidungsträger wenn sie im schwarzbuch sind.
00:19:33: Niemand will da gerne drinstehen es sei denn er darf das vorwortschreiben Und insofern ist das schon auch ein wachrütteln und es ist ja auch ein journalistisches instrument.
00:19:41: Wenn wir nicht darüber berichten dann gerät es überhaupt nicht an die öffentlichkeit und dann wird darüber auch gar nicht diskutiert.
00:19:46: deswegen Will ich schon unterstreichen, dass das sehr wichtig ist?
00:19:50: Dass wir hier Transparenz herstellen.
00:19:51: Dass wir eben auch in einem Fokusartikel deutlich machen wo wir beispielsweise die Förderkriterien verändern müssen.
00:19:58: und es ist auch schon interessant welche Fragen ich aus dem Bundestag bekomme zu einzelnen Fällen.
00:20:03: also dann beschäftigen sich auch die Bundestagsabgeordneten damit Und durch die neuen Medien stellen wir eben wieder fest, Wir kriegen danach unzählige Hinweise.
00:20:11: Fotos, Beschreibungen wo man wirklich feststellt Die Menschen beschäftigen sich viel mehr mit dem staatlichen Handeln Mit den Ausgaben und da haben wir einen wirklichen Punkt erreicht das es früher vielleicht gar nicht so präsent war.
00:20:24: Heute ist Steuergeldverschwendung echt präsend.
00:20:27: Durch Social Media, durch viele Kommunikationswege Sehen die Menschen etwas posten es und regen sie sich darüber auf.
00:20:33: Das macht auch schon etwas mit der Politik.
00:20:35: Also nicht nur Klagen, sondern auch konstruktive Vorschläge wie es besser gehen könnte.
00:20:38: Wir lesen das Schwarzbuchstellendes selbstverständlich gerne auch hier vor.
00:20:42: Übrigens mehr Details im Berlin-Table.
00:20:44: ich bedanke
00:20:44: mich für das Gespräch.
00:20:45: lieber Herr Holznörgel
00:20:46: Ich danke Ihnen und tapferbleiben!
00:20:54: Und Michael war noch was?
00:20:55: Nina heute ist der Welttag der Vegetarier.
00:20:58: immermehr sind es auch in meinem Freundeskreis.
00:21:00: du eigentlich auch?
00:21:01: Ich bin nicht Vegetarie, ich bin eine klassische Flexitariare.
00:21:05: Ah das sind diejenigen die wenig Fleisch essen aber doch manchmal ist nichts sein lassen können
00:21:09: Ganz genau.
00:21:10: Und die bewusst gern gutes Fleisch essen.
00:21:12: Dazu würde ich mich so zumindest versuche ich es dann auch mal zählen.
00:21:15: jedenfalls liegen wir dann im Trend, denn wie die deutsche Presseagentur meldet sind immer mehr Verbraucher inzwischen bewusste Fleischesser.
00:21:23: also sie wollen weniger essen das sagen übrigens siebenzwanzig Prozent der Befragten aber sie ganz darauf verzichten.
00:21:28: das wollen Sie nicht
00:21:29: kann ich verstehen.
00:21:30: wie gesagt also wenn man das
00:21:32: gut
00:21:32: macht und dann eben auch gut genießt dann kann das ja auch etwas sein was das Leben durchaus bereichert.
00:21:37: Zum Beispiel habe ich am Wochenende einen Lammlachs gegrillt und es war so unfassbar lecker, das kannst du dir gar nicht vorstellen.
00:21:42: Obwohl diese Lämmer ja eigentlich so süße Tierchen sind.
00:21:44: aber lasst uns darüber nicht reden.
00:21:46: Immerhin.
00:21:46: Drin neunzig Prozent der Haushalt nach Angaben der DPA haben von Januar bis Juli dieses Jahres Fleisch oder Geflüge gießen.
00:21:53: Das sind zwei Prozentpunkte weniger als zweitausendzweiundzwanzig Und ein Hähnchen liegt immer noch ganz weit vorne vor dem Schweinefleisch dass Zweiunddraßig Prozent dieser Befragten als ihr Lieblingsfleisch angeben.
00:22:05: Interessant ist ja das Parallel dazu, der Markt der Fleischersatzprodukte weiter wächst.
00:22:09: Knapp ca.
00:22:10: thirty-fünf Prozent der Haushalte haben in den vergangenen Jahren mindestens einmal ein solches Produkt gekauft und es sind so viele wie seit Jahrzehnten nicht.
00:22:18: Besonders stark wachsen da die sonstigen Fleischersatzprodukte wie Tofu oder Falafel – also eigentlich was ganz anderes!
00:22:26: Sollten Sie trotzdem die Sonnenstrahlen noch mal für ein richtig ordentliches Barbecue mit echtem Fleisch nutzen, dann empfehlen wir Ihnen das natürlich.
00:22:32: Zum Beispiel an diesem Wochenende.
00:22:33: es wird nämlich nochmal schön warm!
00:22:35: In diesem Sinne morgen hören wir uns hier wieder Table Today ab fünf Uhr.
00:22:37: für Sie sind wir natürlich wieder da.
00:22:39: bis dahin ciao ciao!
00:22:46: Tschüss!
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